Diagnose

Der Tierarzt war eine gute Stunde da und hat sich Tammi im Schritt und Trab auf beiden Händen angesehen und eine Lahmheit hinten rechts gesehen. Er meint, das ist ganz normal, dass wir das nicht gesehen haben, dafür wäre er ja da.

Danach haben wir das rechte Hinterbein komplett geröntgt, sowie beide Vorderhufe.
Am Schluss noch Ultraschall am rechten Knie.

Diagnose:
im Röntgenbild ist das rechte Hinterbein völlig in Ordnung. Am linken Vorderhuf war etwas zu sehen, dass auf eine leicht höhere Belastung hinweist. Die beiden Vorderhufe stehen leicht unterschiedlich, der Hufschmied bekommt die Bilder und soll beim nächsten Beschlag vorne links etwas flacher stellen eine Luvex Einlage mit Polster rein machen.

Im Knie hat Der Tierarzt eine Verletzung am Innenminiskus gesehen und das Kniegelenk ist gefüllt, was auf eine Entzündung hinweist. Außerdem Verwachsungen am Miniskus. Damit haben wir einen chronischen Bandschaden 😕
Er meint, das kommt von einer zu schnellen, engen Wendung, bei der sich das Knie verdreht hat, vielleicht auch von einem Sturz. Das kann sowohl auf der Koppel, als auch beim Reiten passiert sein. Er vermutet aber eher Koppel. Genau lässt sich das wohl nie herausfinden. Jedenfalls liegt das schon einige Wochen bis Monate zurück. Das Stolpern rührt seiner Meinung nach daher, dass ihr das rechte Knie weh tut und sie dadurch versucht, die Hinterhand nicht zu belasten. Das führt zur Überlastung der Vorhand und damit zum Stolpern.

Therapie:
Der Bandschaden lässt sich leider nicht heilen, aber therapieren. Beim Sportpferd käme jetzt MRT, dann OP, dann Aquatraining. MRT und OP bleiben Tammi erspart, Aquatraining kann ich mir nicht leisten. Daher gibt es die etwas einfachere Variante:
Tammi bekommt in den nächsten Wochen zwei Injektionen mit Hyaluronsäure ins Kniegelenk, dazu ein Nahrungsergänzunspräparat.
In den nächsten 6 Wochen soll das Knie geschont werden. Das heißt: auf die Koppel und zurück führen, damit sie auf dem Weg keine Faxen macht. Maximal 1 Stunde am Tag im Schritt bewegen (führen oder reiten). Keine engen Wendungen, keine Seitengänge, kein Trab, kein Galopp.

Ob und wie es uns gelingt, das Pony ruhig zu halten und das Knie zu schonen, ob und wie die Sehne sich erholt, ob das Knie wirklich Ursache für die Stürze war, das werden wir sehen.

Auf die Fresse geflogen

Tammi stolpert immer wieder. Sie knickt mit dem Vorderbein beim Laufen am Fesselgelenk nach hinten weg und muss das dann mit dem anderen Bein abfangen. Das hat sie schon lange, bisher war das kein Problem, weil sie sich immer noch gut abfangen konnte und es auch nicht häufig vorkam. Aber jetzt ist sie schon zwei Mal richtig gestürzt. Einmal während der Reitstunde auf dem Reitplatz im Galopp. Meiner Reitbeteiligung ist zum Glück nichts passiert und Tammi auch nicht. Aber letzte Woche ist sie schon wieder gestürzt, auf einem ebenen Waldweg im Trab mit meiner anderen Reitbeteiligung 😕 Zum Glück auch nicht viel passiert aber trotzdem schlimm.

Über das Stolpern habe ich mir schon oft Gedanken gemacht und jetzt bin ich an dem Punkt, an dem ich die klassischen möglichen Ursachen abgearbeitet habe: Ausrüstung passt, Hufe werden alle 8 Wochen von einem guten Hufschmied beschlagen, Zähne 1x im Jahr vom Pferdezahnarzt gemacht. In der Ausbildung sind wir auch auf einem guten Weg mit einer tollen Reitlehrerin und ich habe regelmäßig Stangenarbeit gemacht.

Ich denke wirklich, dass was körperliches die Ursache ist, weil sie in den Situationen, in denen sie stolpert nicht träumend vor sich hin schlurft, sondern konzentriert gearbeitet hat. Und auch nicht nur bei einem Reiter, sondern bei unterschiedlichen.

Ich habe Tammis Züchtern geschrieben, ob es einen ähnlichen Fall bei Verwandten von Tammi gab, weil ich mir die Suche nach der Ursache leichter vorstelle, wenn man weiß, wonach man suchen soll. Die herzensguten Züchter haben mir noch am gleichen Abend geantwortet. Ich war zutiefst gerührt, 5 Jahre nachdem ich Tammi gekauft habe, kümmern sie sich immer noch rührend und nehmen Anteil. Das nenne ich mal richtig tolle Züchter!

Danach bin ich dem Rat meines Mannes gefolgt und habe einen Tierarzt gerufen. Wir kennen den Tierarzt schon länger und er ist Spezialist für den Bewegungsapparat. Was er gesagt hat, folgt im nächsten Beitrag.

Mariposa Ver

Weil es heute viel zu heiß für sportliche Ambitionen war, sind Tammi und ich in entspanntem Schritt über den Frankenstein getrottet. Eigentlich die Standard-Runde für schnell mal ’n Stünden ausreiten. Heute haben wir zwei Stunden gebraucht und ich habe mir dabei vorgestellt, es wäre Tag fünf von einem 4-wöchigen Wanderritt in Südspanien. Es ist beeindruckend, was man sieht, wenn man so tut, als hätte man den Wald noch nie gesehen. Heute waren es unter anderem diese wunderschönen Schmetterlinge (oder Falter?):

Es waren ganz viele und wenn sie fliegen, sind sie fast ganz rotorange. Meist haben sie zusammen mit einer Hummel auf einer Blüte gesessen und Tammi und ich sind wie durch ein summendes Blütenmeer gewandert. Manchmal beneide ich mich selbst…

P.S. Sehen mit den Augen eines Fremden beherrsche ich ganz gut, leider führt das dazu, dass ich ohne meinen Mann, Pony oder Navi nicht nach Hause finde…

Eine positive Schmied-Erfahrung

Heute haben wir unter Idealbedingungen entspannt vier Eisen an Tammis Hufe bekommen.
Idealbedingungen heißt: Tammi war satt, zufrieden und müde nach der Nacht auf der Weide, alle Pferde waren im Stall, es war noch angenehm kühl und noch keine Bremsen und nur wenig Fliegen unterwegs. Ich bin mittlerweile entspannter und mein Mann war zum Aufhalten da. Außerdem konnten wir an gewohnten Putzplatz beschlagen, da der inzwischen gepflastert ist. Und natürlich gehört ein ausreichender Vorrat an Bananen zu den Idealbedingungen. Sehr empfehlen kann ich auch die TTouches an den Ohren, ich habe den Eindruck, das hilft wirklich.

Entspannt heißt, dass ich wirklich keine Anzeichen von Stress an Tammi bemerkt habe. Ich hatte zwar keinen Pulsmessgerät im Einsatz, aber ich bilde mir ein, mein Pony inzwischen so weit zu kennen, dass ich das korrekt beurteilen kann. Bei den letzten Schmied-Terminen, auch wenn Tammi brav war, war deutlich Stress erkennbar.

Wir haben eine positive Schmied-Erfahrung erreicht, ich hoffe, es folgen noch viele weitere!

Tageskurs „Futterberatung“ mit Constanze Röhm

Am 5.5.2018 habe ich den Tageskurs „Futterberatung“ von Constanze Röhm besucht. Organisiert hat diesen spannenden Tag die Freestyle Horse Agility e. V. An dieser Stelle möchte ich ein dickes Dankeschön an die Freestyle Horse Agility e. V. aussprechen, dass der Kurs trotz der Schlammlawine, die den Hof ein paar Tage zuvor überrollt hatte, stattfinden konnte!!!

Leider hat es eine ganze Weile gedauert, meine 11 Seiten Mitschrift zu ordnen, aber jetzt habe ich es geschafft und möchte euch an meinen Erkenntnissen teilhaben lassen.

Zunächst mal eine sehr gute Nachricht: Deutsche Pferde waren noch nie so gesund! Und sie sind noch nie im Durchschnitt so alt geworden.

Um sein Pferd richtig zu füttern, sollte man sich über folgendes Gedanken machen:

Teil 1: Was habe ich für ein Pferd?

Möchte ich mein Pferd richtig ernähren, muss ich zunächst schauen, was ich für ein Pferd habe. Hierzu kann man sich dessen Herkunft anschauen. Es gibt eine Genstudie vom Pferd auf englisch (Jansen 2002), die laut Constanze sehr interessant ist. Ich habe sie nicht gelesen, was einfach mit Zeitmangel zu tun hat. Kurz notiert habe ich mir, dass Lusitano und PRE genetisch näher am Shetty als am Araber liegen, also leichtfuttrig sind.

Es gibt eine vereinfachte Einteilung der Pferde in vier Urtypen. Diese ist wissenschaftlich nicht ganz korrekt, aber recht anschaulich:

Das Tundrapferd lebte in riesigen Herden, es gab innerhalb dieser Herden keine lineare Rangfolge, sondern eher „Lobbygruppen“. Das Tundrapferd hatte wenig Interesse an Konflikten und verbrachte viel Zeit mit der Nahrungsaufnahme. Kein Gras sondern Buschwerk und Gehölz.

Das Nordpferd lebte im Wald in kleinen Herden. Das Nordpferd ist kein Flucht- sondern ein Tarntier. Und auch das Nordpferd fraß kein Gras sondern Buschwerk und Gehölz.

Das Steppenpferd ist dann endlich mal so, wie wir uns die Vorfahren unserer Pferde vorstellen: Grasfresser und Fluchttier.

Gänzlich unbekannt war mir das Ramskopfpferd. Dieses wanderte durch alle Regionen und war recht agressiv.

Unsere heutigen Pferderassen weisen jeweils Merkmale dieser Urtypen auf. So ist der Haflinger tendenziell ein Nordpferd. Das kann ich bestätigen, Tammi ist eindeutig ein Tarntier. Was sowohl an der Matschkruste, als auch am erstarrt stehen bleiben bei „Gefahr“ zu erkennen ist.

Für unsere Pferdefütterung bedeutet das erst mal: nicht alle Pferde sind auf Gras und Heu ausgelegt, einige sind eher Laub- und Gehölzfresser.

Weiß man nichts genaues über die Herkunft seines Pferdes, kann man auch aus ein paar simplen Merkmalen recht gut Rückschlüsse auf Fressverhalten und benötigtes Futter ziehen:

Kiefer: Pferde mit breiten Kiefer kauen effektiver, d. h. Sie verwerten ihr Futter besser.

Rumpf: Je runder der Rumpf, desto mehr passt rein, dazu komme ich später genauer.

Vorderbeine: Die Länge der Vorderbeine beeinflusst die Gangweise und damit den Futterbedarf. Viele kleine Trippelschritte verbrauchen mehr Energie als langbeiniges Schreiten.

Muskeln: viele Muskeln brauchen viel Eiweiß, Zink, Kupfer und Cobalt

Haare: viele Haare brauchen viel Eiweiß

Teil 2: Wie frisst mein Pferd?

Sättigungsgrenze

Die Studie, die zu dem Schluss kam, dass die Kauschlagmenge die Sättigung bestimmt, ist inzwischen widerlegt. Heute geht man von drei Faktoren aus, die bestimmen, wo die Sättigungsgrenze beim Pferd liegt.

Zum einen gibt es einen Dehnungsrezeptor im Darm. Dieser signalisiert, wann der Darm ausreichend gefüllt ist. Die Größe von Herz, Lunge, Milz und Leber richtet sich nach dem Stockmaß. D. h. ein Kaltblut mit 1,60 m Stockmaß hat ein gleich großes Herz,… wie ein Vollblut mit 1,60. Anders das Darminnenvolumen. Der Darm füllt sozusagen den restlichen Platz aus, dementsprechend hat ein rundrippiges Pferd bei gleicher Größe viel mehr Platz im Darm. Mehr Platz für Bakterien, mehr Platz für Verdauung, mehr Platz für Futter… Es passt mehr rein und das wird auch noch länger und besser verdaut. Bei schmalen Rippen verhält es sich entsprechend umgekehrt. Trotzdem sollte (auch beim rundrippigen Pferd) der Darm möglichst gleichmäßig gefüllt sein, da der Fermentierungsprozess wie in der Biogasanlage gleichförmig verlaufen muss.

Der zweite Faktor, der die Sättigungsgrenze bestimmt, ist der Blutzuckerspiegel. Sinkt der Blutzucker zu stark ab, reagieren Pferde (ähnlich wie Frauen) verhaltensauffällig…

Als drittes kommt der Temperaturrezeptor ins Spiel: bei Kälte brauchen Pferde mehr Futter. Das kann ich absolut bestätigen, wir füttern inzwischen an kühleren Tagen deutlich mehr Heu als an wärmeren, da sonst zu schnell alles weg ist oder eben Heu liegen bleibt.

Fresszyklus

Der individuelle Fresszyklus, also wann und wie lange ein Pferd frisst, wann es Pausen macht, ausruht und weiter frisst, ist genetisch festgelegt und ändert sich auch nicht, wenn wir Menschen in diesen Zyklus eingreifen. Das Pferd produziert Speichel und Magensäure entsprechend seinem eigenen Fresszyklus. Greifen wir durch Futterrationierung, feste Fütterungszeiten und ähnliches in diesen ein, wird zu viel Magensäure produziert und der Magen kann sich entzünden.

Jetzt weiß ich schon mal, dass mein Pferd eine Sättigungsgrenze und einen Fresszyklus hat, aber wie finde ich heraus, wieviel Rauhfutter mein Pferd effektiv braucht und wann? Wenn man die Möglichkeit dazu hat, kann man sein Pferd mindestens 6 Stunden lang mit sehr viel Heu (vorher abwiegen) separat stellen und beobachten. In den 6 Stunden dokumentiert man den Fresszyklus, danach wiegt man das übrig gebliebene Heu. Das rechnet man auf 14 Stunden hoch und weiß zumindest schon mal, wann und wie viel das Pferd frisst, wenn es kann wie es möchte.

Teil 3: Und was und wie fütter ich jetzt?

Wirklich schön, das alles zu wissen, aber was fange ich mit dem Wissen an? Leider hat alles was jetzt kommt ziemlich viel mit selbst denken und rechnen zu tun. Nachdem ich weiß, wie viel Rauhfutter mein Pferd frisst, lasse ich mir die Heuanalysewerte meines Stallbetreibers geben (leider muss ich das selbst machen).

Danach rechne ich aus, wieviel mein Pferd wovon braucht, stelle dem gegenüber, wieviel in der gefütterten Rauhfuttermenge drin ist und ergänze den Rest mit Kraftfutter. Oder, wenn zum Beispiel mehr Energie im Rauhfutter drin ist, als mein Pferd braucht, ersetzt ich einen Teil Gras/Heu durch kalorienärmeres Rauhfutter (z.B. Stroh und Gehölze). Ganz einfach…

Bedarf ermitteln

Hier muss ich auf Literatur verweisen: in „Purzel speckt ab!“ von Constanze Röhm wird es genau erklärt, ich kann‘s nicht. Ich habe mir im Kurs lediglich Tammis Bedarf notiert:

Energiebedarf ca 40-65 MJ ME

Eiweißbedarf ca 355 g dünndarmverdauliches Eiweiß

+ 10% für viele Haare und noch mal + 10% für viele Muskeln,

macht zusammen 425g

Bedarf an Mengen- und Spurenelementen: Die Grundwerte finden sich in der gängigen Literatur oder im o. g. Buch (das nebenbei bemerkt auch sehr unterhaltsam zu lesen und als Nachschlagewerk extrem hilfreich ist). Diese Grundwerte passe ich noch entsprechend der Eigenheiten meines Pferdes (viele Haare, viele Muskeln,…) an.

Um es nicht zu einfach werden zu lassen, noch ein paar Dinge, die es zu bedenken gilt:

Vitamine sind nicht lagerfähig, d.h. gegen Ende des Winters und vor Beginn der Weidesaison enthält das Heu weniger Vitamine. Mit Beginn der Weidesaison kommen frische Vitamine über’s Gras rein, auch wenn parallel noch Heu aus der Vorjahresernte gefüttert wird.

Ein Pferd kann 2g Stärke pro 1kg Körpergewicht verwerten, wenn es auf zwei Mahlzeiten verteilt wird. Mehr füttern bringt nix.

Milchprodukte kann ein Pferd nicht verwerten!!!

Maximal 2-4g Gehölze pro kg Körpermasse füttern, macht etwa 1,5 kg pro Tag.

Muss man von Heu auf Gras umrechnen (auch das noch) gilt folgende Faustregel: Trockenmasse von Gras = 15%

Füttert man Heu aus zu engmaschigen Heunetzen, braucht das Pferd sehr viel länger, um seine Sättigungsgrenze zu erreichen. Um satt zu werden, nutzt das Pferd dann seine Schlafzeit zum Fressen und es kann zu Übermüdungserkrankungen kommen.

Bei Kotwasser/Durchfall hat das Pferd einen erhöhten Nährstoffbedarf (in der Bedarfsrechnung berücksichtigen), da normalerweise am Ende des Dünndarms die zur Verdauung benötigen Nährstoffe wieder zurück gewonnen und wiederverwertet werden. Das funktioniert bei Durchfall/Kotwasser eben nicht.

Ich hätte dann noch Infos, die es etwas einfacher machen (na endlich):

Luzerne enthält viel Eiweiß und wenig Kalorien, geeignet für haarige Pummelchen.

Mineralfutter von regionalen Herstellern ist auf die lokalen Böden und das darauf wachsende Heu abgestimmt. Damit könnte man ohne viel Rechnerei richtig liegen.

Teil 4: Magen-Darm-Erkrankungen frühzeitig erkennen

Den Teil, wie man eine Magen-/Darmerkrankung frühzeitig erkennt, fasse ich kurz. Ich möchte jeden dringend bitten, einen Tierarzt zu fragen, wenn sich das Pferd auffällig verhält, ein Blogbeitrag kann keine Diagnostik leisten!

Mögliche Erkennungszeichen für Magen-Darm-Erkrankungen sind:

  • Axthieb
  • Taktfehler
  • Eingezogener Bauch
  • Schmerzgesicht
  • Kopf-Arm-Muskel angespannt
  • Unspezifische Lungenprobleme
  • Schmerzen beim Gurten
  • Pferd versucht die linke Seite „kurz“ zu halten

Jedes dieser Anzeichen kann aber auch andere Ursachen haben, also bitte wirklich genau hinschauen und im Zweifel eine Fachfrau / einen Fachmann fragen..

Nette Nebeninfos

In der Anweidezeit das Pferd möglichst viel bewegen. Kotwasser im Frühling beim Anweiden ist normal. Futter ggf. anpassen (siehe oben). Eine häufige Ursache von Kotwasser ist Bewegungsmangel. Ist es nach zwei Stunden reiten besser, kann man mal in diese Richtung denken.

Wasserspeicherkapazität: rundruppige Pferde können im Darm Wasser speichern. Deshalb sehen sie nach der Weide oft so aufgebläht aus. Ist aber nur Wasser. Schmalrippige Pferde können das nicht. Selbstverständlich sollte allen Pferden immer frisches Wasser zur Verfügung stehen, aber bei den schmalrippigen ist das noch mal wichtiger.

Pferde dürfen schwitzen. Es ist weder ungesund, noch besonders belastend oder sonstwas, sondern schlicht und ergreifend normal. Aber warum schwitzen manche Pferde mehr als andere? Das liegt daran, dass manche Pferderassen eine Unterhautfettschicht haben. Diese ist genetisch vorbestimmt und sehr wichtig zum warm halten der Muskeln und sollte nicht wegtrainiert oder -diätet werden! Der Aufbau der Haut ist bei diesen Rassen (z.B. Norweger): Fell, darunter Fett, darunter Muskeln und Adern. Bei Pferden ohne Unterhautfettschicht ist der Aufbau: Fell, Adern und Muskeln. Liegen die Adern direkt unterm Fell, lässt sich der Körper allein schon durch starkes Durchbluten dieser Adern gut kühlen. Unsere Unterhautfettschichtpummelchen müssen stattdessen halt schwitzen. Scheren sollte man trotzdem so wenig wie möglich. Das Schwitzen schüttet Hormone aus und regt damit den Fellwechsel an. Geschorenen Pferden fehlt dieser „Schwitzimpuls“ und der Fellwechsel dauert länger.

Manche Rassen treiben es mit dem warm halten noch weiter. Sie können im Winter ihre Haut um 1 mm verdicken. Das nennt man Epidermisverdickung. Im Frühjahr schuppt das auf ein mal ab. Auch wenn dieses Thema ganze Foren und Mittel dagegen ganze Regale im Pferdefachmarkt füllen: man kann und muss nichts dagegen tun, es ist normal.

Fragerunde

Die Chance, Constanze ein paar Fragen zu stellen, habe ich gerne genutzt.

Meine erste Frage bezog sich auf den Fitnesstest („Purzel speckt ab“ S.104ff): Wie dokumentiere ich die Pulswerte während des Reitens? Mit der Diktiergerät-Funktion vom Handy.

Dann wollte ich gerne wissen, wie ich eine Heuanalyse mache, wenn das Heu von verschiedenen Wiesen/Lieferanten kommt? Die Lösung ist eine Mischprobe. Man nehme Proben von verschiedenen Ballen, aus verschiedenen Schichten (das kann man mit einem Ampferstecher aus den Ballen raus holen, ist ein ziemlicher Kraftakt, hab ich schon gemacht). Wichtig ist, dass die Ballen abgelagert sind. Im ersten Jahr testet man auf alles, im zweiten ohne Spurenelemente (die bleiben ähnlich) und im dritten nur noch auf ME (Energie) und bvXP (dünndarmverdauliches Rohprotein).

Auf die Frage, wie wir Stroh ins Futtermanagement integrieren können, haben wir leider keine realisierbare Lösung gefunden, aber das ist ja auch sehr spezifisch und hätte im Rahmen des Kurses zu weit geführt.

Mein persönliches Fazit

Es war ein sehr schöner, spannender aber auch anstrengender Tag. Wer Constanzes Bücher kennt, weiß, dass sie unglaublich spannend und witzig schreiben kann und „live“ ist es nicht anders. Gleichzeitig ist der Anteil an fundierten Informationen sehr hoch und man möchte sich das natürlich alles gerne merken! Mein Kopf hat gequalmt und ich bin müde aber zufrieden nach Hause gewankt.

Da Wissen allein das Pony nicht satt macht, hier meine persönliche To Do Liste aus dem Kurs:

  • Eine Heuanalyse machen lassen.
  • Herausfinden, wie viel mein Pony frisst.
  • Mit den Ergebnissen der Analyse das Mineralfutter auswählen.
  • Sehr wahrscheinlich Eiweiß (Luzerne) zufüttern.

Ich habe natürlich nur das mitgeschrieben, was für mich interessant und relevant ist. Es ist also nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Kurstag und ich würde auch nicht ausschließen, dass ich was falsch verstanden oder wiedergegeben habe. Trotzdem hoffe ich, dass es interessant zu lesen war. In diesem Sinne: frohes Rationsberechnen 😉

Neues Reithalfter

Wie ich bei Holleuffers Gebisstechnik gelernt habe, kann ein Nasenriemen angenehm für’s Pferd sein. Also habe ich mich auf die Suche nach etwas Passendem gemacht und bin fündig geworden. Ich habe ein gebrauchtes Reithalfter gefunden und habe es beim Sattler anpassen lassen. Zusammen mit meiner Reitlehrerin habe ich am Ponykopf noch mal alles überprüft und jetzt wird Tammi nach ihrer Meinung gefragt: lässt sie es sich dauerhaft gerne überstreifen, dann haben wir unsere Traumlösung gefunden. Und so sieht es aus:

Das Genickstück ist schön breit und verteilt das Gewicht des Gebisses (mein Bit wiegt ein halbes Kilo, das hätte ich nicht gedacht!) auf eine große Fläche. Damit es an den Ohren nicht drückt (dort enden viele Nervenstränge) habe ich beim Sattler das Leder anatomisch zuschneiden lassen.

Der Nasenriemen läuft durch eine Schlaufe am Backenstück, die Enden des Backenstücks bilden eine zweite Schlaufe, in die das Gebiss eingeschnallt wird. Das hat den Vorteil, dass man nur ein Backenstück pro Seite braucht, lässt sich aber auch weniger gut einstellen und anpassen als z. B. ein englisches Reithalfter. Hier musste der Sattler ebenfalls genau an unsere Bedürfnisse anpassen. Gemacht hat das mein Lieblingssattler Capreole / Mobil-Sattler für eigentlich viel zu wenig Geld.

Eingeschnallt ist ein Billy Allen Bit ohne Shanks, mit dem sie schon vorher recht zufrieden war.