Die Häkeltante

Die Häkeltante

Seit Jahren sinne ich darüber nach, wie ich etwas zu Trinken am Pferd mitnehmen kann. Eigentlich finde ich Fahrrad-Trinkflaschen super, weil man sehr gut einhändig daraus trinken kann. Aber sie sind rund und bewegen sich aus diesem Grund recht viel am Pferd. Und alle mir bekannten Flaschen-Taschen für vorne am Sattel stören mich beim Reiten.

Da ich selten länger als 2-3 Stunden reite, brauche ich nicht viel Wasser, aber im Sommer mal ein paar Schlucke wäre schon schön. Da ist mir diese Flasche als Werbegeschenk ins Haus geflattert und ich dachte: du bist meine neue Ausreit-Flasche!

Wiegt leer 37 g und hat 400 ml Fassungsvermögen.

Sie ist klein, leicht, flach und nimmt leer so gut wie keinen Platz weg. Mit zwei Karabinern hinten am Sattel befestigt ist das wirklich praktisch. Leider ist ziemlich schnell das untere Loch für den Karabiner ausgerissen 😦

Da ich total glücklich mit meinem Hufschuh-Häkelnetz bin, habe ich die Häkelnadel und den nächstbesten Wollrest hervorgekramt und die Flasche mit einem Netz umhäkelt, um die Karabiner am Netz zu befestigen.

Mit den Strings vom Sattel kann ich die Flasche zusätzlich fixieren, wenn sie zu doll hopst.

Was soll ich sagen: klappt prima 🙂 Einziger Nachteil ist, dass man zwei Hände braucht, um die Flasche ab zu machen und daraus zu trinken. Aber da ich sowieso immer ein kleines Päuschen mache, ist mir das egal.

Jetzt ist der Sommer vorbei, die Flasche wartet auf ihren Einsatz im nächsten Sommer und ich kann mir Gedanken machen, wie ich meinen heiß geliebten Thermo-Teebecher am Pferd befestige. Der ist ja rund und die mir bekannten Flaschen-Taschen für vorne… Never ending Story 😉

Tschüss, Rumpelkammer

Endlich Ordnung in der „Rumpelkammer“

Jahrelang haben wir uns über das Dreck-Eck, in das alles rein flog, was gerade im Weg war, geärgert. Nach mehreren Anläufen und der aus den sozialen Medien geklauten Idee mit der Palette, herrscht endlich Ordnung. Das Wichtigste: der Boden ist frei und kann sauber gehalten werden. Ich bin total glücklich 🙂

Fachbeauftragte für Mäusepopulation

Fachbeauftragte für Mäusepopulation

Darf ich unsere neuen Mitarbeiter vorstellen: Mizio und Jack, Fachbeauftragte für Mäusepopulation. Die Beiden haben im Mai 2022 ihre Arbeit am Hof aufgenommen und sich dazu noch klammheimlich in mein Herz geschlichen.

Mizio – scheu und ekstatisch
Jack – besonnen und freundlich
Roulottes Fontenois

Roulottes Fontenois

Dieses Jahr habe ich mir einen seit 2012 gehegten Traum erfüllt: ich habe über den Reiseveranstalter ReNatour den Planwagen-Urlaub in den Vogesen gebucht.

Es war absolut großartig!!!

Die Anbieter vor Ort, Corinne und Thomas, kümmern sich nicht nur mit viel Leidenschaft und Herzblut um ihre Pferde, sie verfügen auch über viel Fachwissen und Kompetenz. Ihre Pferde sind gesund, freundlich und dem Menschen zugewandt. So hatten wir viel Freude mit ‚unserer‘ Stute „Calypso“. Ich habe es sehr genossen, sie eine Woche zu versorgen und zu verwöhnen und scheinbar hat auch sie es genossen, denn häufig kam sie uns auf der Weide bereits entgegen. Auch das Geschirr der Pferde ist fachgerecht angepasst und wird sorgfältig gepflegt, was es den Pferden überhaupt erst möglich macht, ihren ‚Job‘ gut zu machen. Und das machen sie: egal ob entgegenkommender Traktor auf enger Landstraße, überholende Autos oder tieffliegende Jets, Calypso hat die Nerven behalten.

Am Ankunftstag wird das Putzen und Einschirren der Pferde geübt.
Danach durften die Pferde zurück auf die Weide und wir haben die erste Nacht in ‚unserer‘ Roulotte auf dem Gelände des Centre Touristique verbracht.
Unser kuscheliges fahrendes Zuhause.

Trotz 20 Jahre Pferdeerfahrung habe ich noch nie auf dem Kutschbock gesessen und fand das Fahren sehr anspruchsvoll. Es ist volle Konzentration gefordert und ich war froh, nach der ersten Etappe (2 Stunden bis zur Mittagspause) die Leinen an meinen Mann übergeben zu können. Das ein- und ausschirren ist uns dagegen sehr leicht gefallen und auch das ein- und ausspannen ging uns gut von der Hand. Bei beidem kam uns natürlich sehr zu Gute, dass wir routiniert zusammenarbeiten und beide viel Pferdeerfahrung haben. Die Pferde sind jedoch so ruhig und freundlich, dass auch Menschen mit weniger Erfahrung gut zurecht kommen. Beim Fahren selbst ist Erfahrungen mit Pferden garnicht so entscheidend, es braucht gute Nerven, einen aufmerksamen Blick auf Umgebung, Straße, Verkehr, Pferd und Wagen gleichzeitig, ein gutes Gefühl für die Bremse und wenn man regelmäßig Auto mit einem Anhänger fährt, hilft das enorm, die Kurven richtig anzufahren.

Das erste Stück wurden wir von Thomas begleitet und haben die wichtigsten Dinge gezeigt und erklärt bekommen.
Das Wichtigste beim Roulotte fahren: das gefühlvolle Bremsen.

Die Anweisungen von Corinne und Thomas sind klar, eindeutig und gut zu befolgen. Wenn man sich daran hält, wird man viel Freude an der Tour haben. Wann immer es während der Tour ein Problem gab, waren sie erreichbar und sind sofort gekommen.

Immer den „Roulez nature“ Schildern nach.

Sowohl die Stationen zur Übernachtung, als auch die Pausenplätze sind gut gewählt. Die Landschaft ist traumhaft und die Pferde können jeweils gut versorgt werden und die Nacht auf der Weide verbringen.

An allen Stationen waren die Pferde bestens untergebracht.
An jeder Station steht Futter bereit und die Geschirre können sicher verstaut werden.
Mittagspausen wie im Märchen.
Morgennebel.
Abendstimmung.

Wir waren mit dem Holzwagen unterwegs, meiner Ansicht nach der Beste der drei Wagentypen. Ich habe mich in unserem fahrenden Heim sehr wohl gefühlt. Lediglich große Menschen werden mit den Betten wenig Freude haben (bitte vorher unbedingt die Angaben zu den Abmessungen durchlesen). Es lohnt sich, am Abend ggf. den Wagen von Hand noch ein wenig zu rangieren, bis er ganz gerade steht. Wir haben das versäumt und gelegentlich eine unruhige Nacht verbracht, weil wir irgendwie schief lagen.

la Vagabonde
Drei Wagen sind schon ein Dorf. Oder ein Zirkus. Oder eine Karawane…
Wann gibt’s Kaffee?
Kaffee ist gleich fertig!
Nichts für große Menschen: die Betten in der Roulotte.

Zu Beginn der Tour haben wir eine Mappe mit den Wegbeschreibungen der Tagesetappen, sowie jeweils einer Karte erhalten. Beides so groß gedruckt, dass ich es problemlos ohne Brille (Altersweitsicht) lesen konnte. Für mich absolut genial, denn das Handy habe ich eine Woche lang kaum angefasst, was eine sehr entspannende Wirkung hatte und auch das Gefummel mit der Brille blieb mir erspart.

Mein Spitzenteam: Kutscher und Kartenleserin

Neben den vielen Dingen, die Corinne und Thomas so klug geplant haben, gibt es natürlich auch Faktoren, die sich nicht beeinflussen lassen. Und da hatten wir unfassbar viel Glück: das Wetter war perfekt, weder zu warm noch zu kalt. Mit uns gemeinsam sind zwei weitere Familien auf die Tour gestartet und wir haben uns mit beiden Familien auf Anhieb sehr gut verstanden. Unsere 5-jährige Tochter hat sich sofort mit einem ebenfalls 5-jährigen Mädchen befreundet, sonst wäre die Tour für sie wohl recht langweilig geworden. So waren wir alle glücklich und zufrieden, haben gemeinsam gegessen und die Pausen und Abende genossen, geredet, gelacht, uns gegenseitig unterstützt und einfach viel Spaß gehabt!

Ein absolutes Highlight: die Zeit bei Renate auf ihrem traumhaft gelegenen Hof. Alles strahlt Renates Wärme und Herzlichkeit aus.
Zu Gast bei den Ziegen.
Zu jeder Mittagspause haben wir den Pferden Wasser angeboten.
Und für uns gab es Antipasti mit Knäckebrot oder Nudeln mit Pesto.
Gemeinsam abhängen in der Mittagspause.
Gemeinsam abhängen in der Mittagspause 🙂

Noch ein kleiner Hinweis: Obwohl die Pferde freundlich und ruhig sind, sind es sehr große lebendige Wesen und kein Kinderspielzeug. Kinder können mit ihnen nicht so viel ‚machen‘, wie sie es sich bei Buchung der Reise vermutlich erträumen. Denn wenn die sanften Riesen mit ihren tellergroßen Hufen und knapp 1 Tonne Gewicht auf einem Kinderfuß stehen, ist die Reise vorbei (ich hatte bequeme Stahlkappenschuhe dabei, was durchaus empfehlenswert ist. Für Kinder unbedingt feste Wanderschuhe einpacken.). Und auch das netteste Kaltblut möchte beim geführt werden gerne ein paar Grashalme naschen, was ein Kind mit seinen ca. 25 kg kaum verhindern kann. Trotzdem würde ich die Reise für Familien mit (am Besten mehreren) Kindern absolut empfehlen. Überall gab es für die Kinder spannendes zu entdecken: die Kleinen haben mit Schnecken gespielt, die größeren haben Pferd gespielt, Flüsse laden zum Baden ein, Esel können gestreichelt werden und ja, unter Aufsicht eines Erwachsenen können die Pferde natürlich gefüttert, gebürstet und geschmust werden!

Gespenster in Heu?!?
Oder waren es doch kleine Hexen?
Zu Gast bei den Eseln.
Eine Nacht haben wir auf einem Sportplatz verbracht. Das ist auf jeden Fall eine außergewöhnliche Location! Die zwei Mädchen sammeln gerade im Schein der Taschenlampe Grünzeug für eine ihrer vielen Schneckenfarmen, die sie währen der Tour gebaut haben.
Auf dem Milchhof durften wir beim Melken zuschauen.

Für mich persönlich war es spannend herauszufinden, wie ich mit einem fremden Pferd in fremder Umgebung zurecht komme. Zwar habe ich am Stall regelmäßig neue Pferde, die ich in der ersten Woche zur Weide führe und auch sonst etwas genauer im Blick habe. Aber zu Hause bin ich diejenige, die den ‚Plan‘ hat und kann dem neuen Pferd die Sicherheit vermitteln, dass ich weiß, wie es bei uns läuft. In Frankreich auf dem Kutschbock habe ich keinen Plan. Kann ich einem Pferd trotzdem genug Sicherheit vermitteln, so dass es mir vertraut?

Calypso hat es mir leicht gemacht: sie war offen, zugewandt und meiner Tammi vom Typ sehr ähnlich (Thekla hat sie ein paar Mal versehentlich „Tammi“ genannt). So hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass wir eine gute Basis finden.

Bildschön, wie gemalt! „Unsere“ Calypso.
Calypso macht lustige Gesichter für die Kamera.
Man beachte die Oberlippe, so süß!

Am ersten Tag war Calypso ein wenig scheu beim Einsprühen mit dem Fliegenspray. Auch beim Einspannen hat sie kurz gezögert. In unserer ersten Mittagspause war sie recht angespannt, bis die anderen beiden Pferde da waren (wir sind immer mit etwa 30 Minuten Vorsprung vor den beiden anderen Wagen gefahren). Alles nicht dramatisch, wenn man nicht so genau wie ich darauf achtet, wäre es einem kaum aufgefallen.

In den folgenden Tagen habe ich genau auf diese Punkte geachtet: eingesprüht wurde nur, solange sie es gut akzeptiert hat. In der Mittagspause habe ich sie grasen lassen, bis die Anderen da waren und dabei immer mal ein wenig Fliegenspray gesprüht. Beim Einspannen habe ich sehr darauf geachtet, dass alle Stangen, Gurte und Ketten schnell und sanft angelegt wurden.

Schon am dritten Tag war sie in der Mittagspause auch ohne Grasen sofort entspannt, einsprühen war am Ende der Reise überhaupt kein Thema mehr und sie hat sich butterweich einspannen lassen.

Mein schönstes Erlebnis mit Calypso: am dritten Tag in der Mittagspause gab es eine recht tiefe ‚Anbindestange‘. Da Calypso noch ungeduldig auf ihre Artgenossen gewartet hat, ist sie mehrmals mit dem Vordebein über den Strick geraten. Ich bin natürlich hin und habe den Strick wieder gerichtet. Etwa eine Stunde später waren alle Pferde da und haben gedöst, wir Menschen waren auch fertig mit Essen, da schielt Calypso zu mir rüber, senkt den Kopf, hebt das Bein, zack über’n Strick… Ich also hin, Strick gerichtet. Das haben wir 3x gemacht, dann bin ich bei ihr geblieben, sie hat ihren Kopf dicht vor meinen Bauch gehalten (dann sind nämlich nicht so viele Fliegen in ihrem Gesicht) und ist sofort eingeschlafen. Das war irgendwie sehr süß und sehr berührend.

Natürlich habe ich in den nächsten Tagen darauf geachtet, dass die ‚Erziehung‘ von mir nicht weiter etabliert wird (hoch genug anbinden und für Fliegenschutz sorgen), denn wer will schon ein Pferd, dass sich dauernd im Strick verheddert.

Ich habe es sehr genossen, mich eine Woche lang nur um ein Pferd zu kümmern und nicht die Verantwortung zu tragen. Das war sehr befreiend! Außerdem hat es mir gut gefallen, ein Ziel zu haben. Jeden Tag war eine Etappe gemeinsam zu bewältigen. Am Ziel gab es für Pferd und Mensch Entspannung und das gute Gefühl, es geschafft zu haben.

Zurück im Centre Touristique.
Calypso ist wieder zu Hause. Hier genießen die Pferde ein paar Tage Pause, bevor es auf die nächste Tour geht. Danke, Calypso, für die tolle Zeit!

Zurück zu Hause kam meine Tammi mir ganz schmal und klein vor und ein wenig vermisse ich den ruhigen Rhythmus aus füttern, putzen, einspannen, fahren, Pause, tränken, wieder einspannen, nochmal fahren, Pferd versorgen und die geselligen Abende… Doch viel Zeit für Wehmut bleibt mir nicht, hier warten neue Herausforderungen von denen ich beim nächsten Mal berichte.

Anglerweste de Luxe

Anglerweste de Luxe

Beim Reiten möchte ich zwei Dinge am Körper haben: Handy und Leckerlies. Im Sommer immer wieder Thema, weil man ja keine Jackentaschen hat. Bisher hatte ich eine Bauchtasche fürs Handy, aber irgendwie ist die doch immer so gerutscht, dass sie mich gestört hat.

Treue Begleiter in den vergangenen Sommern…

Und der Leckerliebeutel ist auch nicht optimal, weil sich immer mal was drunter verheddert oder er irgendwo rumbaumelt, wo ich ihn nicht brauchen kann.

Außerdem ist beides schon etwas abgenutzt, weshalb ich über eine neue Lösung meditiert habe.

Da ich beim Reiten immer eine Protektorenweste trage dachte ich mir: ob’s jetzt heiß oder sehr heiß unter der Weste ist, ist ja irgendwie auch egal. Also eine Anglerweste mit vielen Taschen drüber und gut.

Leider sind die auf dem Markt erhältlichen Modelle optisch nicht so der Kracher, so dass ich im örtlichen 2nd Hand Laden günstig eine Weste erstanden und aus einem übrig gebliebenen Nüsternschutz zwei Taschen darauf genäht habe.

Meine neue Weste…

Bis jetzt finde ich diese Lösung super, es stört mich nicht und ich habe Handy und Leckerlies schnell griffbereit. Damit beim Bücken die Leckerlies nicht raus purzeln, habe ich noch einen kleinen Rest von dem Netzstoff als Klappe rein genäht. Wenn ich rein fasse, wird diese nach unten gedrückt, aber umgekehrt sind die Leckerlies zu leicht, um den etwas steifen Stoff nach außen zu drücken. Klappt super 🙂

Ich hoffe, dass ich bei längeren Touren mit Routenplanung jetzt die Navitante besser höre, wenn sie mit mir redet, Handy ist ja näher zum Ohr. Das habe ich noch nicht ausprobiert.

Missverstandener Freundschaftsdienst

Beobachtet man im Sommer Pferde auf einer Weide, so wird man häufig sehen, dass zwei Pferde zusammen stehen und dösen. Dabei hat jedes Pferd den Kopf auf Höhe der Hinterhand seines Partners und beide verscheuchen mit ihrem Schweif die Fliegen aus dem Gesicht des Anderen.

Beobachtet man im Sommer einen Menschen beim Putzen seines Pferdes, so wird man häufig sehen, wie der Mensch die Hinterhufe seines Pferdes auskratzt, dabei den Schweif seines Pferdes ins Gesicht geschlagen bekommt und anfängt, fürchterlich mit seinem Pferd zu schimpfen.

Sollte das Pferd jemals in seinem Leben darauf kommen, dass mit dem Schimpfen sein Schweif gemeint ist, so wird es sich (je nach Temprament) vermutlich denken: „Du Depp, wenn du nicht willst, dass ich dir die Fliegen verscheuche, dann halte doch dein Gesicht nicht an meinen Hintern!“ oder „Oh gottohgott, das wollte ich nicht, herrje, wenn ich das nur gewusst hätte, aber das ist so ein Reflex, ich kann nichts dagegen tun, wir können niemals zusammen glücklich werden…“

Ja, Schweif im Gesicht ist Scheiße, aber ob Schimpfen was bringt?

Reiten ohne Sattel

Schon immer habe ich davon geträumt, ohne Sattel zu reiten. Als Jugendliche durfte ich es nicht, jetzt mit dem ersten eigenen Pferd, möchte ich mir diesen Traum erfüllen. Nun ist es garnicht so einfach, mit Mitte 40 das Reiten ohne Sattel zu lernen. Besonders im Trab komme ich ins „Schleuden“ 😉

Kürzlich habe ich durch Zufall eine wirklich gute Hilfe für das Reiten ohne Sattel für mich entdeckt: ich habe eine Jodhpur-Reithose, die ich länger nicht getragen habe, weil die Stege kaputt waren. Ich habe neue Gummis eingenäht und versehentlich sind die recht kurz geraten, so dass ich beim Reiten einen deutlien Zug an den Fußsohlen spüre. Was soll ich sagen, dieser leichte Druck an den Fußsohlen hilft mir, ins Gleichgewicht zu kommen, das Traben ohne Sattel und Steigbügel fällt mir leichter.

Natürlich lernt man dss Reiten ohne Sattel nicht durch zu kurze Stege allein, aber wenn es hilft, ist es ein sehr einfacher Trick, um sich den Einstieg zu erleichtern 🙂

Auch eine Art der „Freiarbeit“

So sieht es aus, wenn wir die Pferde von der Weide holen.

Ich liebe es, die Pferde auf die Weide zu bringen und genauso sehr liebe ich es, sie von dort in den Stall zu holen. Und das nicht nur, weil unser Triebweg wunderschön gelegen am Waldrand entlang führt, ich die Vögel singen höre und nicht selten ein Reh (zur Zeit mit Rehkitz) oder Hase meinen Weg kreuzt.

Eigentlich off-topic, aber so süß…

Bei uns laufen die Pferde auf einem eingezäunten Weg vom Stall zu den Koppeln und zurück. D.h. sie werden nicht am Halfter geführt und ich nutze den Weg als tägliche Übung in Sachen Kommunikation.

Die Stuten auf dem Weg zur Weide.

Wir versuchen, dass unsere Herden eine möglichst harmonisch Herdenstruktur bilden. Zu erklären, wie wir das zu erreichen versuchen, führt hier zu weit.

Auf dem Triebweg kann ich die Herde beobachten und die Beziehungsgeflechte und Kommunikationsarten auf mich wirken lassen. Natürlich versuche ich, mit der Herde möglichst verständlich zu kommunizieren. Im Hinterkopf habe ich dabei die wunderbaren Videos und Erzählungen von Marc Lubezki.

Pferde nutzen sehr selten akustische Signale. Eine klassische Situation, in der Pferde ein akustisches Signal nutzen, ist der Standortwechsel. Möchte ein Pferd den Standort wechseln, so teilt es dies der Herde durch ein Brummeln mit. Das simuliere ich durch meinen Ruf „Na komm“. Dann kommt der Entscheidende Teil: Warten!

Natürlich könnte ich versuchen, die Sache zu beschleunigen, indem ich auf die Weide laufe und die Pferde vor mir her treibe. Aus sieben Jahren Erfahrung kann euch euch verraten, dass dieses Vorgehen mich und die Pferde stresst, eine Menge Energie kostet und keine Sekunde Schneller geht!

Bei Bedarf wiederhole ich meinen Ruf. Blickt ein Pferd aus der Herde dabei auf und zu mir hin, so senke ich den Blick und stellte mir vor, dieses Pferd in meinen Bauchnabel einzusaugen. Vielleicht mache ich zusätzlich einen kleinen Schritt rückwärts oder verlagere auch nur das Gewicht ein wenig nach hinten.

Da die Zusammensetzung unserer Herden zum Glück oft lange Zeit sehr konstant ist und ich die Möglichkeit habe, ihre Interaktionen täglich zu beobachten, weiß ich genau, welches Pferd welche Aufgabe in der Herde erfüllt. Meist gibt es ein Pferd, das die Aufgabe hat, vorneweg zu gehen. Und meist gibt es 2 oder 3 Pferde, denen die andern Pferde gerne folgen.

Daraus ergibt sich, dass ich sprachlich und körpersprachlich (Blickkontakt) gezielt diese Pferde anspreche. An den meisten Tagen läuft es dann so, wie in dem Video zu sehen: ein bis zwei Pferde bewegen sich gemächlich in meine Richtung, die Anderen folgen nach und nach.

Es kommt jedoch vor, dass die Pferde nicht zum Ausgang kommen möchten. Manchmal kann ich erkennen, dass sie zwar zum Stall möchten, aber den Ausgang nicht passieren wollen. Ich kann mir vorstellen, dass im Bereich des Ausgangs während der Weidezeit vielleicht Wildschweine im Wald waren. Manchmal ist es auch nur ein umgefallener Baum, der sie ängstigt. Dann hat es sich bewährt, gemeinsam mit dem Pferd, das die Aufgabe hat vorneweg zu gehen, die „Gefahrenstelle“ zu passieren.
Hierzu benutze ich manchmal einen Strick (oder Schal, wenn ich gerade keinen Strick dabei habe), um das Pferd zu führen. Oft reicht es aber schon, die Hand zur Pferdenase hin zu strecken, bis das Pferd sie von sich aus berührt, sich dann zum gehen abzuwenden und vorneweg zu laufen. In ganz vielen Fällen folgt dieses Pferd dann mir und der Rest der Herde dem Pferd.
So gehen wir gemeinsam durch den Ausgang, bis ich den Eindruck habe, dass die sich Pferde nun alleine weiter trauen. Dann muss ich wieder ans Ende der Herde, um Weidetore zu schließen und bummelnde Nachzügler zum Aufschließen zu überreden.

Vor ein paar Tagen ist Marc Lubetzkis neues Buch mit dem Titel „Im Gespräch mit wilden Pferden“ herausgekommen. Bestellt ist es und vermutlich wird mein Wissen und mein Gefühl für die Kommunikation mit Pferden beim Lesen einen Quantensprung machen. Und ich muss den Blogbeitrag anschließend komplett überarbeiten 😉
Trotzdem wollte ich euch meine persönlichen Beobachtungen und das schöne Video nicht vorenthalten.

Unser erster Wanderritt

Unser erster Wanderritt

Viele Jahre habe ich davon geträumt, jetzt hat es endlich geklappt: Dirk, Bonni, Tammi und ich haben unseren ersten Wanderritt gemacht!

Und es war so schön, wie ich es mir vorgestellt hatte! Am liebsten würde ich gleich wieder losreiten…

Tag 1

Gestartet sind wir bei uns am Stall. Am ersten Tag sind wir ins Fischbachtal zur Tannenhof-Ranch geritten. Die Route habe ich in Komoot geplant und mit der Wanderreitkarte abgeglichen. Eine riesen Hilfe war dabei die tolle Anleitung von „Pferdefrau unterwegs„. Auch die Packliste als Excel Datei ist großartig! Beides hat mir die Vorbereitung erheblich erleichtert und dafür gesorgt, dass wir gut vorbereitet waren und unsere Tour unbeschwert genießen konnten.

Eine entspannte Mittagspause haben wir bei „Wolter’s Auszeit“ eingelegt. Ich hatte vorher angerufen und uns schon mal angekündigt, so dass wir wussten, dass Pferde mitgebracht werden dürfen.

Gemütliche Pause für Pferd…
…und Reiter.

Die größte „Herausforderung“ auf der ersten Etappe war eine Furt durch ein Bächlein. Ich musste zwar voran gehen, aber dann ist Tammi brav gefolgt und auch Bonni hat ihre Skepsis überwunden.

Die reißenden Fluten 😉
So schön, dass man’s kaum glauben kann (ich habe nur ein winziges bisschen nachbearbeitet)

Auf der Tannehof-Ranch haben wir uns sehr wohl gefühlt. Wir wurden freundlich empfangen und es war alles da, was wir brauchten. Zwei Boxen waren üppig mit Stroh und Heu ausgestattet und unsere Ponys haben gesoffen, gefuttert und sich zum Schlafen abgelegt. Das Heu war von sehr schöner Qualität und wir durften es für unsere beiden Hustenponys anfeuchten. Auch die Reithalle durften Tammi und Bonni zum Wälzen nutzen.

Reithalle mit Ausblick!

Dirk und ich hatten ein schönes, sauberes Zimmer mit Bad und im Hof gibt es eine kleine Schaukel-Bank, auf der wir, nachdem die Ponys versorgt und zufrieden waren, glücklich vor uns hin geschaukelt haben. Bis auch uns der Hunger gepackt hat und wir im Restaurant Dhillon sehr lecker indisch essen waren.

Gute Nacht ihr Zwei!

Sehr praktisch: auf den mobilen Sattelböcken von der Tannenhof-Ranch konnten wir unsere Ausrüstung sauber und sicher verstauen.


Tag 2

Nachdem wir die Ponys mit Kraftfutter, Heu und Wasser versorgt hatten, gab es für uns Frühstück. Petrus war wild entschlossen zu prüfen, ob meine Packliste für alle Wetterlagen das Passende bereit hält: nach dem sonnigen Tag gestern war Regen angekündigt, so dass die Fliegendecken in die Packtaschen mussten und das Regenzeug obenauf. Hat alles gepasst und die Ponys waren beim Satteln und Packen vorbildlich!

Wege und Landschaft waren wunderschön und Tammi und Bonni sind gut vorwärts gelaufen.

Für die Mittagspause hatte ich den Landgasthof „Zum schönen Wiesengrunde“ ausgewählt. Eine gute Wahl, die Inhaberin hat sich wirklich außergewöhnlich viel Mühe gemacht: einige Tage im Voraus hat sie beim Landwirt nachgefragt, ob wir die Pferde auf seiner Wiese grasen lassen dürfen (durften wir nicht, die Wiese stand kurz vor der Heuernte, da hätte ich auch niemanden drauf gelassen). Also haben wir die Ponys ein paar Kilometer vorher sich satt futtern lassen (an einer garantiert nicht bewirtschafteten Waldlichtung) und haben sie am Landgasthof auf dem Parkplatz geparkt.

Zwei Schmucker bitte!

Bier gab’s keins für Bonni und Tammi, dafür Wasser aus dem Putzeimer (mein Falteimer hatte nicht mehr ins Gepäck gepasst). Den Eimer musste ich dreimal auffüllen lassen, was das Personal geduldig getan hat und selbst das Essen wurde uns auf dem Parkplatz serviert.

Der Pfannkuchen mit Gemüse und Schafskäse sieht nicht nur toll aus, sondern schmeckt auch herrlich!

Nachdem die Damen eingesehen hatten, dass es weder Bier noch Futter gibt und auch sonst nix interessantes passiert, haben sie sich ausgeruht und gedöst (wie sich das für ein richtiges Wanderreitpferd gehört).

Etwa 3 Kilometer vor unserem Ziel zog ein Gewitter auf und der angekündigte Regen fiel erst tropfenweise, dann als richtiger Regen und zum Schluss in einer Art Sturzflut vom Himmel. Irgendwann zwischen Regen und Sturzflut hätten wir laut Routenplanung vom Waldrand auf’s offene Feld abbiegen müssen. Und genau in diesem Moment sehe ich aus dem Augenwinkel eine Schutzhütte. Wir haben zu viert gerade so rein gepasst und waren verdammt froh, das Unwetter vom sicheren Unterstand aus vorüberziehen zu sehen.

In Ober-Ostern durften Tammi und Bonni die Nacht auf der Wiese neben den Schafen verbringen und wir haben es uns bei Freunden gemütlich gemacht. Am nächsten Tag ging es mit dem Hänger nach Hause.

Was mich besonders froh macht: beide Pferde sind in guter Verfassung am Ziel angekommen. Keine Anzeichen von Stress, Erschöpfung, Druck- oder Scheuerstellen. Offensichtlich hat die sehr lange Vorbereitungszeit auch ihr Gutes.

Wunderschön und viel zu kurz war unser erster Wanderritt. Wenn ich vorher immer das vage Gefühl hatte, dass das mein absoluter Traum sein könnte, so weiß ich es jetzt mit Gewissheit! Ich brenne jetzt schon darauf, die Packtaschen auf’s Pony zu schnallen und auf die nächste Tour zu starten.

Weitere Details und Fotos gibt’s gerne auf Anfrage.

Warnhinweis: Wanderreiten kann süchtig machen!!! 🙂

„Mittagsstunde“

Roman von Dörte Hansen

Pferdemädchen lesen nicht nur Pferdebücher 🙂

Ich kann allerdings nicht behaupten, „Mittagsstunde“ gelesen zu haben. Ich habe es gespürt, gelebt, geatmet. Ich war Ingwer, der seinen alten Großvater wäscht, ich war Marret oben auf dem Dach. Es ist kein Buch, in dem man über etwas liest, es ist ein Medium, das einen hineinzieht nach Brinkebüll und so schnell nicht wieder los lässt. Selten habe ich Charaktere so fein, so vielschichtig, so nah gefühlt. Für mich ist es in jeder Silbe ein Meisterwerk.