Frau Tamina und der Carrot-Stick

Bereits sehr früh in unserer gemeinsamen Zeit bemerkte ich, dass Tamina Angst vor dem Carrot-Stick hat. Vielmehr vor einer ganz bestimmten Bewegung des Stick mit der entsprechenden Flugbahn des Seilchens: von schräg hinten oben kommend.
Etwas ratlos beschloss ich, die Zeit für mich arbeiten zu lassen und den Stick zu nutzen, ohne dass dabei etwas für Tammi unangenehmes geschieht. Unbewusst habe ich in der folgenden Zeit wohl genau diese Bewegung vermieden und über die vielen anderen kleinen „Baustellen“ geriet das Thema offen gestanden in Vergessenheit.
Bis mich vor kurzem eine Freundin besuchte und eben diese Bewegung mit dem Stöckchen machte, ohne sich etwas dabei zu denken. Als Tammi mit schreckgeweiteten Augen rückwärts durch die halbe Reithalle floh wurde mir klar, dass wir an diesem Thema arbeiten müssen.
Meine Freundin kam gerade von einem Honza Bláha Kurs und bemühte sich, mir dessen Konzept zu vermitteln. Ich habe dann mal irgendwas gemacht was sich grob so beschreiben lässt: ich schwinge mit reichlich Abstand zum Pony den Carrot-Stick und höre damit auf, sobald Pony zu mir kommt. Frei nach dem Motto „Komm zu mir und alles wird gut“ – klingt doch nach einem plausiblen Konzept. Pony hat das auch ziemlich schnell verstanden.
Dass dieses Konzept so seine Tücken hat, bemerkte ich beim nächsten Longieren. Sobald ich das Stöckchen auch nur leicht erhob, drehte Frau Tamina sich zu mir und kam in die Mitte. Hatte ich ihr ja so beigebracht. Und da bei mir in der Mitte stehen sowieso ihre Lieblingsbeschäftigung ist, ist ihr das natürlich die liebere Variante, als weiter auf dem Zirkel zu marschieren. Schlaues Pony…
Ich brauchte eine Weile, um zu kapieren, was hier gerade schief läuft und warum. Wir beendeten diese Einheit recht schnell und beiderseitig frustriert.
Nach viel Nachdenken ziehe ich für mich daraus die Lehre, mir in Zukunft sehr genau zu überlegen, was ich tue, wie ich es tue und warum ich es tue. Ganz besonders dann, wenn es eine neue Idee ist. Denn oft liegt die Tücke im Detail und mit „irgendwas“ überzeugt man Pferd sicher nicht von seiner Führungskompetenz…
Und so sind wir weiter auf der Suche nach einem ausgewogenen Verhältnis zum Carrot-Stick.

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