Beobachtet man im Sommer Pferde auf einer Weide, so wird man häufig sehen, dass zwei Pferde zusammen stehen und dösen. Dabei hat jedes Pferd den Kopf auf Höhe der Hinterhand seines Partners und beide verscheuchen mit ihrem Schweif die Fliegen aus dem Gesicht des Anderen.
Beobachtet man im Sommer einen Menschen beim Putzen seines Pferdes, so wird man häufig sehen, wie der Mensch die Hinterhufe seines Pferdes auskratzt, dabei den Schweif seines Pferdes ins Gesicht geschlagen bekommt und anfängt, fürchterlich mit seinem Pferd zu schimpfen.
Sollte das Pferd jemals in seinem Leben darauf kommen, dass mit dem Schimpfen sein Schweif gemeint ist, so wird es sich (je nach Temprament) vermutlich denken: „Du Depp, wenn du nicht willst, dass ich dir die Fliegen verscheuche, dann halte doch dein Gesicht nicht an meinen Hintern!“ oder „Oh gottohgott, das wollte ich nicht, herrje, wenn ich das nur gewusst hätte, aber das ist so ein Reflex, ich kann nichts dagegen tun, wir können niemals zusammen glücklich werden…“
Ja, Schweif im Gesicht ist Scheiße, aber ob Schimpfen was bringt?
Schon immer habe ich davon geträumt, ohne Sattel zu reiten. Als Jugendliche durfte ich es nicht, jetzt mit dem ersten eigenen Pferd, möchte ich mir diesen Traum erfüllen. Nun ist es garnicht so einfach, mit Mitte 40 das Reiten ohne Sattel zu lernen. Besonders im Trab komme ich ins „Schleuden“ 😉
Kürzlich habe ich durch Zufall eine wirklich gute Hilfe für das Reiten ohne Sattel für mich entdeckt: ich habe eine Jodhpur-Reithose, die ich länger nicht getragen habe, weil die Stege kaputt waren. Ich habe neue Gummis eingenäht und versehentlich sind die recht kurz geraten, so dass ich beim Reiten einen deutlien Zug an den Fußsohlen spüre. Was soll ich sagen, dieser leichte Druck an den Fußsohlen hilft mir, ins Gleichgewicht zu kommen, das Traben ohne Sattel und Steigbügel fällt mir leichter.
Natürlich lernt man dss Reiten ohne Sattel nicht durch zu kurze Stege allein, aber wenn es hilft, ist es ein sehr einfacher Trick, um sich den Einstieg zu erleichtern 🙂
So sieht es aus, wenn wir die Pferde von der Weide holen.
Ich liebe es, die Pferde auf die Weide zu bringen und genauso sehr liebe ich es, sie von dort in den Stall zu holen. Und das nicht nur, weil unser Triebweg wunderschön gelegen am Waldrand entlang führt, ich die Vögel singen höre und nicht selten ein Reh (zur Zeit mit Rehkitz) oder Hase meinen Weg kreuzt.
Eigentlich off-topic, aber so süß…
Bei uns laufen die Pferde auf einem eingezäunten Weg vom Stall zu den Koppeln und zurück. D.h. sie werden nicht am Halfter geführt und ich nutze den Weg als tägliche Übung in Sachen Kommunikation.
Die Stuten auf dem Weg zur Weide.
Wir versuchen, dass unsere Herden eine möglichst harmonisch Herdenstruktur bilden. Zu erklären, wie wir das zu erreichen versuchen, führt hier zu weit.
Auf dem Triebweg kann ich die Herde beobachten und die Beziehungsgeflechte und Kommunikationsarten auf mich wirken lassen. Natürlich versuche ich, mit der Herde möglichst verständlich zu kommunizieren. Im Hinterkopf habe ich dabei die wunderbaren Videos und Erzählungen von Marc Lubezki.
Pferde nutzen sehr selten akustische Signale. Eine klassische Situation, in der Pferde ein akustisches Signal nutzen, ist der Standortwechsel. Möchte ein Pferd den Standort wechseln, so teilt es dies der Herde durch ein Brummeln mit. Das simuliere ich durch meinen Ruf „Na komm“. Dann kommt der Entscheidende Teil: Warten!
Natürlich könnte ich versuchen, die Sache zu beschleunigen, indem ich auf die Weide laufe und die Pferde vor mir her treibe. Aus sieben Jahren Erfahrung kann euch euch verraten, dass dieses Vorgehen mich und die Pferde stresst, eine Menge Energie kostet und keine Sekunde Schneller geht!
Bei Bedarf wiederhole ich meinen Ruf. Blickt ein Pferd aus der Herde dabei auf und zu mir hin, so senke ich den Blick und stellte mir vor, dieses Pferd in meinen Bauchnabel einzusaugen. Vielleicht mache ich zusätzlich einen kleinen Schritt rückwärts oder verlagere auch nur das Gewicht ein wenig nach hinten.
Da die Zusammensetzung unserer Herden zum Glück oft lange Zeit sehr konstant ist und ich die Möglichkeit habe, ihre Interaktionen täglich zu beobachten, weiß ich genau, welches Pferd welche Aufgabe in der Herde erfüllt. Meist gibt es ein Pferd, das die Aufgabe hat, vorneweg zu gehen. Und meist gibt es 2 oder 3 Pferde, denen die andern Pferde gerne folgen.
Daraus ergibt sich, dass ich sprachlich und körpersprachlich (Blickkontakt) gezielt diese Pferde anspreche. An den meisten Tagen läuft es dann so, wie in dem Video zu sehen: ein bis zwei Pferde bewegen sich gemächlich in meine Richtung, die Anderen folgen nach und nach.
Es kommt jedoch vor, dass die Pferde nicht zum Ausgang kommen möchten. Manchmal kann ich erkennen, dass sie zwar zum Stall möchten, aber den Ausgang nicht passieren wollen. Ich kann mir vorstellen, dass im Bereich des Ausgangs während der Weidezeit vielleicht Wildschweine im Wald waren. Manchmal ist es auch nur ein umgefallener Baum, der sie ängstigt. Dann hat es sich bewährt, gemeinsam mit dem Pferd, das die Aufgabe hat vorneweg zu gehen, die „Gefahrenstelle“ zu passieren. Hierzu benutze ich manchmal einen Strick (oder Schal, wenn ich gerade keinen Strick dabei habe), um das Pferd zu führen. Oft reicht es aber schon, die Hand zur Pferdenase hin zu strecken, bis das Pferd sie von sich aus berührt, sich dann zum gehen abzuwenden und vorneweg zu laufen. In ganz vielen Fällen folgt dieses Pferd dann mir und der Rest der Herde dem Pferd. So gehen wir gemeinsam durch den Ausgang, bis ich den Eindruck habe, dass die sich Pferde nun alleine weiter trauen. Dann muss ich wieder ans Ende der Herde, um Weidetore zu schließen und bummelnde Nachzügler zum Aufschließen zu überreden.
Vor ein paar Tagen ist Marc Lubetzkis neues Buch mit dem Titel „Im Gespräch mit wilden Pferden“ herausgekommen. Bestellt ist es und vermutlich wird mein Wissen und mein Gefühl für die Kommunikation mit Pferden beim Lesen einen Quantensprung machen. Und ich muss den Blogbeitrag anschließend komplett überarbeiten 😉 Trotzdem wollte ich euch meine persönlichen Beobachtungen und das schöne Video nicht vorenthalten.
Viele Jahre habe ich davon geträumt, jetzt hat es endlich geklappt: Dirk, Bonni, Tammi und ich haben unseren ersten Wanderritt gemacht!
Und es war so schön, wie ich es mir vorgestellt hatte! Am liebsten würde ich gleich wieder losreiten…
Tag 1
Gestartet sind wir bei uns am Stall. Am ersten Tag sind wir ins Fischbachtal zur Tannenhof-Ranch geritten. Die Route habe ich in Komoot geplant und mit der Wanderreitkarte abgeglichen. Eine riesen Hilfe war dabei die tolle Anleitung von „Pferdefrau unterwegs„. Auch die Packliste als Excel Datei ist großartig! Beides hat mir die Vorbereitung erheblich erleichtert und dafür gesorgt, dass wir gut vorbereitet waren und unsere Tour unbeschwert genießen konnten.
Eine entspannte Mittagspause haben wir bei „Wolter’s Auszeit“ eingelegt. Ich hatte vorher angerufen und uns schon mal angekündigt, so dass wir wussten, dass Pferde mitgebracht werden dürfen.
Gemütliche Pause für Pferd……und Reiter.
Die größte „Herausforderung“ auf der ersten Etappe war eine Furt durch ein Bächlein. Ich musste zwar voran gehen, aber dann ist Tammi brav gefolgt und auch Bonni hat ihre Skepsis überwunden.
Die reißenden Fluten 😉So schön, dass man’s kaum glauben kann (ich habe nur ein winziges bisschen nachbearbeitet)
Auf der Tannehof-Ranch haben wir uns sehr wohl gefühlt. Wir wurden freundlich empfangen und es war alles da, was wir brauchten. Zwei Boxen waren üppig mit Stroh und Heu ausgestattet und unsere Ponys haben gesoffen, gefuttert und sich zum Schlafen abgelegt. Das Heu war von sehr schöner Qualität und wir durften es für unsere beiden Hustenponys anfeuchten. Auch die Reithalle durften Tammi und Bonni zum Wälzen nutzen.
Reithalle mit Ausblick!
Dirk und ich hatten ein schönes, sauberes Zimmer mit Bad und im Hof gibt es eine kleine Schaukel-Bank, auf der wir, nachdem die Ponys versorgt und zufrieden waren, glücklich vor uns hin geschaukelt haben. Bis auch uns der Hunger gepackt hat und wir im Restaurant Dhillon sehr lecker indisch essen waren.
Gute Nacht ihr Zwei!
Sehr praktisch: auf den mobilen Sattelböcken von der Tannenhof-Ranch konnten wir unsere Ausrüstung sauber und sicher verstauen.
Tag 2
Nachdem wir die Ponys mit Kraftfutter, Heu und Wasser versorgt hatten, gab es für uns Frühstück. Petrus war wild entschlossen zu prüfen, ob meine Packliste für alle Wetterlagen das Passende bereit hält: nach dem sonnigen Tag gestern war Regen angekündigt, so dass die Fliegendecken in die Packtaschen mussten und das Regenzeug obenauf. Hat alles gepasst und die Ponys waren beim Satteln und Packen vorbildlich!
Wege und Landschaft waren wunderschön und Tammi und Bonni sind gut vorwärts gelaufen.
Für die Mittagspause hatte ich den Landgasthof „Zum schönen Wiesengrunde“ ausgewählt. Eine gute Wahl, die Inhaberin hat sich wirklich außergewöhnlich viel Mühe gemacht: einige Tage im Voraus hat sie beim Landwirt nachgefragt, ob wir die Pferde auf seiner Wiese grasen lassen dürfen (durften wir nicht, die Wiese stand kurz vor der Heuernte, da hätte ich auch niemanden drauf gelassen). Also haben wir die Ponys ein paar Kilometer vorher sich satt futtern lassen (an einer garantiert nicht bewirtschafteten Waldlichtung) und haben sie am Landgasthof auf dem Parkplatz geparkt.
Zwei Schmucker bitte!
Bier gab’s keins für Bonni und Tammi, dafür Wasser aus dem Putzeimer (mein Falteimer hatte nicht mehr ins Gepäck gepasst). Den Eimer musste ich dreimal auffüllen lassen, was das Personal geduldig getan hat und selbst das Essen wurde uns auf dem Parkplatz serviert.
Der Pfannkuchen mit Gemüse und Schafskäse sieht nicht nur toll aus, sondern schmeckt auch herrlich!
Nachdem die Damen eingesehen hatten, dass es weder Bier noch Futter gibt und auch sonst nix interessantes passiert, haben sie sich ausgeruht und gedöst (wie sich das für ein richtiges Wanderreitpferd gehört).
Etwa 3 Kilometer vor unserem Ziel zog ein Gewitter auf und der angekündigte Regen fiel erst tropfenweise, dann als richtiger Regen und zum Schluss in einer Art Sturzflut vom Himmel. Irgendwann zwischen Regen und Sturzflut hätten wir laut Routenplanung vom Waldrand auf’s offene Feld abbiegen müssen. Und genau in diesem Moment sehe ich aus dem Augenwinkel eine Schutzhütte. Wir haben zu viert gerade so rein gepasst und waren verdammt froh, das Unwetter vom sicheren Unterstand aus vorüberziehen zu sehen.
In Ober-Ostern durften Tammi und Bonni die Nacht auf der Wiese neben den Schafen verbringen und wir haben es uns bei Freunden gemütlich gemacht. Am nächsten Tag ging es mit dem Hänger nach Hause.
Was mich besonders froh macht: beide Pferde sind in guter Verfassung am Ziel angekommen. Keine Anzeichen von Stress, Erschöpfung, Druck- oder Scheuerstellen. Offensichtlich hat die sehr lange Vorbereitungszeit auch ihr Gutes.
Wunderschön und viel zu kurz war unser erster Wanderritt. Wenn ich vorher immer das vage Gefühl hatte, dass das mein absoluter Traum sein könnte, so weiß ich es jetzt mit Gewissheit! Ich brenne jetzt schon darauf, die Packtaschen auf’s Pony zu schnallen und auf die nächste Tour zu starten.
Weitere Details und Fotos gibt’s gerne auf Anfrage.
Warnhinweis: Wanderreiten kann süchtig machen!!! 🙂
Ich kann allerdings nicht behaupten, „Mittagsstunde“ gelesen zu haben. Ich habe es gespürt, gelebt, geatmet. Ich war Ingwer, der seinen alten Großvater wäscht, ich war Marret oben auf dem Dach. Es ist kein Buch, in dem man über etwas liest, es ist ein Medium, das einen hineinzieht nach Brinkebüll und so schnell nicht wieder los lässt. Selten habe ich Charaktere so fein, so vielschichtig, so nah gefühlt. Für mich ist es in jeder Silbe ein Meisterwerk.
Pflegeleicht und Farbenfroh: Biothane ist das perfekte Zaummaterial für Kinder. Ein Multizaum sollte es sein, damit Kind nur einmal ein Kopfstück anziehen muss und dann anbinden, führen und reiten kann. Zwar kann und will meine Tochter noch gar nicht reiten, aber es schadet nie, gut vorbereitet zu sein. So habe ich die Anleitung für den Multizaum von Nordfalben gekauft und habe beim Material meine 5-jährige Tochter alle Farben völlig frei wählen lassen, in der Hoffnung, dass sie dann auch Spaß am Benutzen hat. Der Plan ging nur zur Hälfte auf: zwar hat meine Tochter immernoch keine Lust zu reiten, aber ich selbst habe so einen Spass an dem bunten Teil, dass ich im Moment mit nichts anderem mehr reiten möchte.
Die Anleitung habe ich ein kleines bisschen abgewandelt und zeige euch hier wie mein Multizaum geworden ist. Dazu habe ich mir die passenden Bithanger gemacht.
Zum Abmessen habe ich wie in der Anleitung beschrieben die Maße genommen, aber zusätzlich mit einem Seil den Multizaum am Kopf geknotet. So konnte ich am Schreibtisch in aller Ruhe die einzelnen Längen noch mal nachprüfen.
Da Biothane ein sehr leichtes Material ist, sind die Schnallen im Verhältnis dazu recht schwer. Sitzt die Schnalle vom Genickstück auf der linken Seite, so hat man drei Schnallen links am Kopf (Kinnriemen, Genickriemen und Kehlriemen haben eine Schnalle/Karabiner) und der Zaum zieht nach links unten. Darum habe ich die Schnalle vom Genickstück einfach auf die rechte Seite des Zaums gemacht. Da ich den Zaum nur für ein Pferd nutze, muss ich diese Schnalle sowieso nicht besonders häufig öffnen und schließen.
Ebenfalls aus Gewichtsgründen habe ich mich als Gebiss für das Beris Bit aus Kunststoff entschieden. So hat das Gebiss selbst wenig Gewicht und mein Pferd ist mit diesem Gebiss sehr zufrieden. Sie mag keine gebrochenen Bits, ist aber vom Ausbildungsstand noch nicht weit genug für eine Stange, so dass die biegsame Kunststoffstange ein guter Kompromiss ist.
Da, wenn ich die Zügel mal deutlich annehmen musste, der Genickriemen nach hinten gerutscht ist, habe ich aus einem schmalen Streifen Biothane einen Stirnriemen ergänzt.
Kinn- und Genickriemen haben einen selbstgehäkelten Schoner aus Merino-Filzwolle bekommen. Beim Kinnriemen-Schoner habe ich in der Mitte einen Schlitz für den Anbindering gelassen.
Rückblickend würde ich noch eine kleine Veränderung vornehmen. Mir fehlt der kleine diagonale Riemen, den Sidepulls häufig aufweisen, damit der Nasenriemen nicht nach unten rutscht.
Dieser kleine Riemen ist gemeint.
Man sieht es auf diesem Bild, dass er runter rutscht und eigentlich zu tief kommt:
Da würde ich ein kurzes Stück Paracord an dem PP-Seil-Kern festnähen. Das würde beim Umflechten dann raus schauen und man könnte es durch ein kleines Loch am Backenriemen ziehen und mit einem Knoten fixieren.
So in etwa stelle ich mir das vor…
Hätte, hätte, Fahrradkette, vielleicht fällt mir (oder einer/m meiner Leser*innen) noch eine andere Lösung ein.
Die Zügel habe ich aus den gleichen Paracord-Schnüren geflochten, wie die Umflechtung des Sidepulls. Die Anleitung für die Flechtzügel stammt aus dem Buch „Ausrüstung selbst gemacht“ von Andrea Adrian. Ich bin mit dem look und feel der Zügel super zufrieden! Sie liegen toll in der Hand, sind weich, aber nicht schlabberig, einfach genial. Hier kann ich wirklich Paracord statt PP-Schnur empfehlen! Ich werde für meinen Mann nochmal neu flechten müssen, der hat die Flechtzügel nämlich aus PP-Schnur, das liegt nicht ganz so schön in der Hand.
05.06.2024 Ich habe endlich den diagonalen Riemen ergänzt:
Aus einem Reststück Paracord Schnur habe ich die Seele entfernt und es straff um das Nasenteil zusammengenäht. In die Backenriemen habe ich zwei Löcher gemacht und die Schnur hindurchgezogen. Das hält sehr gut, zum Fixieren kommt noch ein Knoten ins Seil.
Die Länge der Seile lässt sich sogar noch variieren und ich bin endlich zufrieden mit meinem Multizaum.
30.12.2025
Sollbruchstelle
Die Ausrüstung fürs Pony sollte im normalen Gebrauch sicher halten, aber mir ist eine „Sollbruchstelle“ sehr wichtig. D.h. unter extremer Belastung, z.B. wenn‘s Pony sich in der Ausrüstung vertüdelt, ist es mir lieber, wenn das Material nachgibt, als dass Tammi sich ernsthaft verletzt. Bei selbstgemachter Ausrüstung ist das mit der Sollbruchstelle so eine Sache: man kann sie einplanen, aber nur schwer testen, wenn man sein Werk nicht gleich zerstören möchte…
Vorgestern hat Tammi dann den Test selbst vorgenommen, indem sie auf den am Halfterring befestigten Zügel getreten ist. Ich weiß nun, dass Karabiner und Naht der Zügel im Ernstfall nachgeben.
Schön zu wissen und dann habe ich auch was zu reparieren zwischen den Jahren. Könnte ja sonst langweilig werden 😂
Meine Tochter hat zu Ostern Flügel in Regenbogen-Farbe geschenkt bekommen. Ich habe sie gefragt, ob ich ein Foto von ihr mit den Flügeln auf Bonnie machen kann. Erst hatte sie keine Lust, aber als sie Ihre Spielsachen aufräumen sollte, hat sie gesagt: „Lass uns einen Kompromiss machen. Du räumst die Spielsachen weg und ich mache mit dir das Foto.“ Nun, was tut man nicht alles für ein Foto…
Meine zauberhaften Mädchen. Beide ausgesprochen verhandlungssicher…
Dem aufmerksamen Betrachter wird auffallen, dass Thekla dabei keinen Helm trägt. Deshalb hier noch eines der unbearbeiteten Fotos. Auf diesem sieht man, dass mein Mann hinter dem Pferd steht und unsere Tochter festhält. Ich stehe ebenfalls am Pferd und löse per Fernbedienung die Kamera aus. Anders würde ich meine Tochter nicht ohne Helm aufs Pferd setzen, aber für das Foto sieht es einfach schöner aus. Ein gutes Vorbild ist es sicherlich nicht und ich möchte darum bitten, sowas wenn überhaupt nur mit den bestmöglichen Sicherheitsvorkehrungen nachzumachen!
Eine Person sollte ausschließlich darauf konzentriert sein, das Kind gut festzuhalten! Hier ist es mein Mann, hinter Bonni versteckt.
Das Bild hat mir keine Ruhe gelassen, ich finde es hübsch, aber weit entfernt von perfekt. Im ersten Schritt hatte ich in Photoshop zwei Bilder kombiniert (auf dem einen schaut Bonni lieb, auf dem Anderen Thekla süß).
Da ich mit Photoshop nicht weiter kam, habe ich Techniken kombiniert: Die Photoshop-Montage habe ich richtig groß auf Leinwand drucken lassen und mit Acrylfarben bearbeitet. Die Feenflügel sind mit Glitter verziert und am Zauberstab klebt nun ein kleiner Schmetterling aus Stoff.
In diesem Herbst und Winter haben uns im Stall die Nagetiere geplagt wie noch nie und auch die schönen Fettleder-Zügel, die ich meinem Mann gemacht hatte, wurden angenagt 😦
Aber da mein Mann den ganzen Sommer über Bonnis Mähnenkanm intensiv mit Kokosfett einreibt (hilft ganz gut gegen Sommerekzem), konnte er sie im Sommer sowieso nicht benutzen. Zügel, die durch die Hand flutschen wie Schmierseife, sind nicht so praktisch
Also habe ich improvisiert und mich ans schon lange geplante „Zügel aus PP-Seil flechten“ gemacht…
Die gespleißten Zügelenden aus Fettleder konnte ich retten, diese habe ich abgeschnitten und mit einer Buchschraube einen D-Ring daran befestigt (Buchschrauben und D-Ringe bekommt man z.B. bei Lennie-Equipment).
Außerdem habe ich 24 m PP -Seil bei Panacord.eu bestellt. Daraus habe ich 6 Stücke á 4 m geschnitten und die Enden mit dem Feuerzeug abgeflammt. Je 3 Schnüre habe ich bis zur Hälfte durch einen der D-Ringe gezogen, so dass ich zum Flechten nun an jedem Zügelende 6 Schnüre á 2 m hatte.
Diese habe ich nun wie in dem Buch „Ausrüstung selbst gemacht“ von Andrea Adrian (ISBN 978-3-275-01766-9 S.50 ff) geflochten. Nur eben mit 6, nicht mit 8 Schnüren.
Da mein Mann gerne geschlossene Zügel möchte, kam nun die Herausforderung, beide Flechtenden miteinander zu verbinden. Zuerst wollte ich die Enden zu einer Quaste zusammefassen, das war mir aber zu schwer und wuchtig.
Ich saß also vorm Fernseher und habe so vor mich hin gefuddelt, dachte mir, einspleißen wäre doch nett und irgendwann sah es so aus, wie es jetzt aussieht. Meinem Mann und mir gefällt’s, stabil ist es auch, aber – sorry – ich kann beim besten Willen nicht erklären, wie ich das gemacht habe.
Die überstehenden Enden habe ich so abgeschnitten, dass noch ca 1 cm Seil raus geschaut hat. Danach habe ich das Ende mit dem Feuerzeug abgeflammt und, solange es noch heiß war, fest in das Geflecht gedrückt. Um mir dabei nicht die Finger zu verbrennen, hatte ich Spontex Grip Extreme Handwerkerhandschuhe an. Wenn man die Enden gut andrückt, sollte es halten und auch keine Spitzen und Kanten bilden. Zur Sicherheit habe ich jedes Ende noch mit ein paar Stichen mit Nähgarn vernäht, aber ich glaube, das wäre garnicht unbedingt nötig gewesen.
Das war also meine kleine Zügel-Rettungs-Bastelei.
Bonni mit ihren neuen Zügeln.
Kleiner Teaser: für mein nächstes Projekt habe ich noch mehr Schnüre und außerdem BioThane bestellt und ich habe meine 4-jährige Tochter die Farben für alle Materialien aussuchen lassen. Das wird BUNT!!!
…Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind Sein Ross, das trug ihn fort geschwind.
Wir sind nicht durch Schnee, sondern im dichten Nebel geritten und so richtig geschwind waren wir auch nicht, aber Tammi und ich durften auf dem Kindergartenumzug meiner Tochter Sankt Martin(a) und edles Ross spielen!!!
Mein Mann hat vor ein paar Jahren mit seiner Stute den Sankt Martin gespielt und ich fand das total aufregend und habe mir sehr gewünscht, das mit Tammi auch mal zu machen. Nach ein paar entsprechenden Andeutungen hat das Kita-Team mich dann tatsächlich gefragt, ob ich als Sankt Martin reiten will.
St. Martin ritt mit leichtem Mut Sein Mantel deckt ihn warm und gut.
Von leichtem Mut kann nicht die Rede sein, obwohl top vorbereitet, war ich sterbensaufgeregt und leicht genervt, als Tammis Rücklicht immer aus ging.
Da die Kita nur 3,5 km vom Stall entfernt liegt und Tammi eh ein paar Kilos loswerden muss, wollte ich gerne mit ihr hin und zurück reiten. Einen Teil der Strecke musste ich im Straßenverkehr zurücklegen, deshalb habe ich mir von Equilumen dieses Stiefellicht gekauft. Auch Tammi sollte gut sichtbar sein: ein leuchtendes Vorderzeug habe ich schon seit längerem für sie und für das rote „Rücklicht“ habe ich auf den Schweiflatz der Reflexdecke eine kleine Tasche genäht. Dazu habe ich ein Mehrweg-Obst-Säckchen aus dem Supermarkt genommen, das hatten wir im Haus und es scheint genug Licht hindurch. In das Täschchen kam eines der rotes Lämpchen aus dem Stiefellicht-Set rein, funktioniert prima. Insgesamt bin ich mit dem Vorderzeug und Stiefellicht von Equilumen super zufrieden, nur das eine Lämpchen wollte an diesem Abend nicht so recht.
Doch meine gründliche Vorbereitung hat meine Laune wieder steigen lassen: ich war im Vorfeld bereits mehrfach zur Kita geritten. Reitend und bei Bedarf führend haben wir uns erst nur an einen Teil der Strecke und schließlich durch den Ort bis ganz zur Kita herangetastet. Hier kam mir die Tatsache, dass direkt am Außengelände der Kita eine von meinem Mann bewirtschaftete Heuwiese liegt, sehr entgegen. Da diese im Sommer zuletzt gemäht wurde, stand dort noch ordentlich Gras und da die Wiese von uns bewirtschaftet wird, wusste ich, dass dort gutes Gras wächst (kein Weidelgras, keine Giftpflanzen). So durfte Tammi bei jedem Trainingsritt 15 Minuten auf der Heuwiese grasen. Das ist für Tammi ein überzeugendes Argument, so dass sie sich, sobald das Ziel unseres Rittes klar wurde, sehr eigenmotiviert durch den Ort bewegt hat und auch Brücken und Baustellen konnten sie nicht mehr aufhalten 🙂 Zum Trainingsplan gehörte ein Ritt im Hellen, ein Ritt bei Dunkelheit und natürlich einer, wenn auf dem Kita-Außengelände alle Kinder toben.
Als Mantel hatte ich eine rote Fleecedecke mit einer großen Sicherheitsnadel an der Schulter zusammengesteckt. Sehr simpel und ja, sehr warm. Wenn dann noch Protektorenweste drunter und aufgeregt – schwitz…
Im Schnee saß, im Schnee saß Im Schnee, da saß ein armer Mann Hat Kleider nicht, hat Lumpen an „O, helft mir doch in meiner Not Sonst ist der bittere Frost mein Tod“
Ein armer Mann war nicht an der Kita und Schnee lag ja zum Glück auch nicht. Stattdessen stand meine liebe, tolle Reitbeteiligung an der Kita bereit. Sie hat Tammi während des Umzuges geführt. Das hat Tammi und mir viel Sicherheit gegeben und es war schön, dieses aufregende Erlebnis mit ihr zu teilen.
Sankt Martin, Sankt Martin Sankt Martin zog die Zügel an Sein Ross stand still beim armen Mann
Das Stillstehen sollte sich als größte Herausforderung erweisen. Da ich mein Pferd kenne, hatte ich darum gebeten, das Schauspiel mit Bettler, Mantel teilen, etc. wegzulassen. Tammi ist ein wirklich nettes Pony, aber wenn sie ein wenig aufgeregt ist und sinnlos rumstehen soll, kann sie sehr sauer werden. Leider hatte mir keiner gesagt, dass wir unterwegs fünfmal stehen bleiben, um uns zu sammeln und ein Martinslied zu singen. Glücklicherweise fiel mir recht schnell ein, dass Tammi sich meist beruhigt, sobald ich Lektionen abfrage (Schaukel, Schulterherein, Volte, Vor-, Hinterhandwendung, Traversale). Dummerweise haben meine Reitbeteiligung und ich nie vorher geübt, wie man das zu zweit (vom Boden und Sattel) macht. Es gab ein kleines Hilfen-Wirrwarr, das nächste Mal würde ich mir für diesen Fall eine kleine „Choreografie“ ausdenken und klare Absprachen treffen, wer denn nun die Hilfen gibt.
Sankt Martin mit dem Schwerte Teilt den warmen Mantel unverweilt
Sankt Martin, Sankt Martin Sankt Martin gab den halben still Der Bettler rasch ihm danken will Sankt Martin aber ritt in Eil‘ Hinweg mit seinem Mantelteil
Tatsächlich haben auch wir uns in Eil‘ davon gemacht. Beim letzten Halt, bei dem Sankt Martin sich von den Kindern verabschieden sollte, kam ein unbedarfter Passant dunkel gekleidet aus entgegengesetzter Richtung an uns vorbei geschlichen. Da hat Tammi sich dann doch kurz erschreckt (nicht dramatisch, nur kurz den Kopf hoch gerissen), aber wir wollten ihre Nerven nicht überstrabazieren und sind (nach sehr kurzer Verabschiedung von den Kindern) zügig Richtung Heimatstall marschiert. Schade, dass der Passant unser kleines Infoplakat nicht kannte. Etwa eine Woche vor Sankt Martin hatte ich dieses Plakat gezeichnet:
Das Plakat wurde in allen Kindergartengruppen im Morgenkreis besprochen und ein Bild davon an die Eltern geschickt. Hat super geklappt, die Kinder wussten schon am Vortag (da war ich zur „Generalprobe“ mit Pferd an der Kita) alle die Regeln und haben sich gegenseitig ermahnt, sich daran zu halten. Mit meiner Einschätzung (eine geschlossene Gruppe lärmender und leuchtender Kinder ist weniger schlimm für Tammi, als eine schleichende Einzeperson) lag ich wohl richtig.
Nach dem kleinen Schreck war Tammis Kopf aber bereits nach 150 Metern laufen wieder in entspannter Haltung, meine Reitbeteiligung hat sie sicher nach Hause gebracht und ich habe die Äppelhaufen eingesammelt, die im Laufe des Nachmittags auf der Straße gelandet sind.
Es war schön, es war aufregend, es hat Spaß gemacht, mich mit Tammi systematisch vorzubereiten und zu spüren, wie wir gemeinsam an der Aufgabe gewachsen sind. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich mal entspannt durch eine dunkle aber belebte Ortschaft reite. Was mir viel Sicherheit gegeben hat, war die Aufgabe in viele einzelne kleine Elemente zu zerteilen und diese erst einzeln zu erarbeiten und dann zum Gesamtereignis zusammenzusetzen: die Strecke, die Kinder, Lichter und Laternen,…
Trotzdem freue ich mich jetzt auf entspannte Ausritte im Wald, ohne Kinder, Lichter, Lieder…
Wer das Känguru mag, wird das NEINhorn lieben. Marc-Uwe Kling hat eine herrlich unpädagogische Geschichte über das NEINhorn und seine Freunde geschrieben. Es geht um das NEINhorn, den WASbären, den NAhUND und die KönigsDOCHter, die gemeinsam bockig sind. Schön illustriert von Astrid Henn, bzw klangvoll vertont als Hörbuch, hat es meine Tochter und mich wunderbar inspiriert und am Sommerfest auf unserem Hof waren wir das Team NEINhorn auf der Schnitzeljagd.
Bereits Wochen im Voraus wurde an der Verkleidung gefeilt:
Da Tammi und Thekla Ein-, bzw. NEINhorn sein wollten, habe ich mich als KönigsDOCHter verkleidet.
Für alle, die sich mehr für Fakten als für bockige Fabelwesen interessiert, hier die Facts zu unserer Schnitzeljagd, die bei Klein und Groß gut ankam:
Strecke: 4 km ohne Geländeschwierigkeiten, daher auch für Kids mit (zu Fuß begleitenden) Eltern gut bewältigbar.
Dauer: ca 1 1/2 Stunden
Teilnehmer: 25 Personen in 6 Teams, im Alter von 4 bis äh, also auch das ältere Semester war am Start, Jahren. Natürlich mit lustigen Teamnamen und entsprechender Verkleidung.
Start: alle 15 Minuten
Gesamtkosten: ca. 50,-€
Streckenmarkierung: Leinstreu als Pfeile am Boden ausgestreut (funktioniert prima).
Stationen: 5 Stück und alle so konzipiert, dass wir keine Streckenposten brauchten.
1. Station: Fotos von giftigen/ungiftigen Pflanzen in einem Gefrierbeutel. Jedes Foto hatte einen Buchstaben auf der Rückseite und bei richtiger Sortierung der Bilder ergaben sich zwei Lösungswörter.
2. Station: mein Mann hat diese schrecklich schöne Vogelscheuche gebaut 🙂 Auf der Rückseite der Arme ist ein Streifen Wellpappe befestigt, in die Wellpappe haben wir Federn gesteckt. Die Aufgabe bestand darin, so nah an die Vogelscheuche heran zu reiten, dass man eine Feder herausziehen und mit zurück bringen kann. Die Wirkung auf die Pferde war großartig. Selbst meine tiefenentspannte Stute hat kurz skeptisch geguckt (und dann versucht, die Haare aus Stroh zu fressen). Wer den Schwierigkeitsgrad erhöhen möchte, kann ein kleines, batteriebetriebenes Radio zur Vogelscheuche stellen und während der Schnitzeljagd laufen lassen.
3. Station: ein Glas mit Pferdeleckerli füllen und fest verschließen. Die Teilnehmer müssen die Anzahl der Leckerli schätzen.
4. Station: Hier wurde für Lacher bei den Daheimgebliebenen gesorgt: die Teams mussten sich auf dem Pferd sitzend gegenseitig schminken und Bilder davon in die Stall-WhatsApp-Gruppe stellen. Ein großer Spaß!!!
5. Station: wir haben ein altes Planschbecken in Stallnähe aufgestellt, mit Wasser gefüllt und ganz viele Badewannen-Tiere hinein getan. In einen mit Sand gefüllten Eimer hatten wir einen Kecher gesteckt und damit durfte sich jeder (vom Pferd aus) ein Tier angeln.
Siegerehrung gab es natürlich auch wieder und eine Urkunde:
Was auf den Bildern so selbstverständlich wirkt, ist es für mich absolut nicht. Ich bin unendlich dankbar für diesen tollen Tag: meiner Tochter, weil sie tapfer 1 1/2 Stunden auf dem Pferd gesessen hat. Zwar fand sie die Stationen super, aber insgesamt war es dann doch lang. Meiner Tammi, die zu einer in sich ruhenden Persönlichkeit gereift ist. Auf kein anderes Pferd der Welt würde ich mich so vertrauensvoll mit meinem Kind setzen. Meinem Mann, der das alles erst möglich macht. Kerstin, die die phantastischen Bilder gemacht hat. Und natürlich unserer spitzen Stallgemeinschaft, die alle mit viel Spaß dabei waren!!!