Basteln für Eilige – Ausreitpacktasche

Ich gebe es zu: ich gehöre zu den Frauen, deren Handtaschen das Format eines mittleren Reisekoffers und das Gewicht eines ausgewachsenen, wohlgenährter Mopses haben. Ich bin der Ansicht, dass ich die Dinge, die ich habe, nicht zum Spaß habe, sondern weil ich sie brauche. Und wenn ich sie brauche, dann muss ich sie ja wohl auch mitnehmen…

Das geht mir beim Reiten nicht anders und so habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, mein ganzes Gelersch mitzunehmen, ohne es selbst schleppen zu müssen. Eine sehr günstige und einfache Idee hierzu möchte ich mit euch teilen.

Angefangen hat es damit, dass mein Mann und ich auf längeren Ausritten regelmäßig Hunger bekommen haben und wir im Gegensatz zu unseren Ponies nicht mit der nächstbesten Wiese glücklich waren. So hatte ich neben Handy, Schlüssel und Leckerchen auch immer ein paar Müsliriegel dabei. Dazu kam schnell ein Pferdeäppel-wegräum-Set, ein paar Taschentücher, ein Erste-Hilfe-Set im Mini-Format, Hufkratzer und Taschenmesser und etwas Geld (falls man an einer Eisdiele oder einem Glühweinstand vorbei kommt).

20171030_095021.jpg

Erste-Hilfe-Set, Taschenmesser und Hufkratzer haben wir zum Glück noch nie gebraucht, aber das Pferdeäppelset, bestehend aus Einweghandschuhen und Müllbeutel hat schon gute Dienste geleistet. Es ist zwar etwas eklig, die Äppel mit der behandschuhten Hand einzusammeln und bei Matschäppeln bringt es auch nix, dafür ist es extrem platzsparend. Den Müllbeutel leere ich dann an der nächsten Wiese aus oder überreiche ihn angrenzenden Gartenbesitzern für ihre Rosen.

Das Ganze habe ich in eine kleine Bauchtasche (die hier ist von meru, gibt’s aber auch von Eastpak,…) gestopft. Was empfindlich gegen Nässe ist, kommt in einen Gefriehrbeutel. Es passt gequetscht gerade so alles rein, aber so rutscht und wackelt auch nichts. Den Bauchgurt der Tasche habe ich abgeschnitten und zu zwei Schlaufen umgenäht.

20171030_095327.jpg
Damit binde ich die Bauchtasche mit den Bändeln am Westernsattel hinter dem Candle fest. Wenn man an dieser Stelle zwei Karabinerhaken (gibt’s zum Beispiel hier https://www.thal-versand.de/Karabinerhaken-und-Wirbel) in die Schlaufen einnäht, kann man die Tasch bestimmt auch gut am Wanderreitsattel in die D-Ringe einhaken. Dann muss man allerdings die Länge sehr genau ausmessen, damit die Tasche stramm sitzt und nicht hüpft im Trab.

Ich habe meine Ausreittasche jetzt schon eine ganze Weile dabei und bin sehr zufrieden mit meinem Provisorium. Es liegt ruhig am Sattel, stört nicht beim Auf- und Absteigen und befriedigt mein Sicherheitsbedürfnis 🙂

Noch ein kleiner Tipp zum Thema Sicherheit: auch wenn es dazu verführt, bitte niemals das Handy in die Satteltasche! Du wirst dein Handy am Nötigsten brauchen, wenn du dich unfreiwillig von deinem Pony getrennt hast und dann nutzt es nix, dass dein Pferd ein Handy dabei hat…

Pferd und Technik

Tammi ist auf Diät. Eigentlich permanent. Ich gebe gefühlt deutlich mehr Geld für Fressverhinderungsmaßnahmen aus, als für Futter. Meine neuste Anschaffung dient jedoch nicht der Begrenzung der Futteraufnahme, sondern der aktiven Fettverbrennung durch Bewegung: Tammi hat jetzt ein Pulsmessgerät. Damit wir effektiv im idealen Fettverbrennungs-Pulsbereich arbeiten können. 

Spätestens als ich mit ihr Equikinetik mit Timer und Pulsmesser gemacht habe, habe ich mich gefragt: wo bleibt da die Beziehung, das Miteinander, die schönen gemeinsamen Momente? Da muss man schon aufpassen, dass man vor lauter Geräte-gucken das Pferd nicht aus dem Blick verliert.

Trotzdem bin ich froh über die Anschaffung. Schöne gemeinsame Momente können wir nur haben, wenn wir beide gesund sind. Und das Pulsmessgerät spornt mich dazu an, doch hier und da zu traben, wo ich sonst im Schritt entlag gebummelt wäre. Oder eben ein fleißigeres Tempo zu fordern. Außerdem macht es Spaß, mehr über sein Pony zu lernen: wann muss sie sich tatsächlich wie sehr anstrengenden? Wo liegt der Ruhepuls (das konnte ich mir vorher nie merken)? Ich denke auch, dass ich es mal beim Schmied anlegen werde, um zu sehen, wie sehr sie sich innerlich aufregt und wie viel davon ihr anzumerken ist.

Fazit: Wenn man an einen Pulsmesser kommt, ohne dass es ein großes Loch in die Pony-Kasse reißt, ist es eine durchaus lohnende Anschaffung.

27.6.2019

Reiten 2.0

Pulmesser links, Armbanduhr rechts vom Sattelhorn, so habe ich alles im Blick und die Hände frei für die Zügel 😃

Sommerfest in der Mordach

Am Morgen des Tages, an dem wir unser Sommerfest gefeiert haben, war der Himmel wolkenverhangen. Die Tage zuvor hatte es fast durchgehend geregnt. Ich war schon ganz unglücklich, aber pünktlich zum Vorbereiten der Schnitzeljagd kam die Sonne hervor.

Acht Reiter in drei Teams sind zur Schnitzeljagd angetreten und haben fünf Aufgaben auf der etwa 5 km langen Strecke gelöst.

Erste Aufgabe war es, Teile von drei Pflanzen mitzubringen. Diese haben wir am Schluss gemeinsam bestimmt und nach giftig/ungiftig sortiert.

wp-image-865421263

An der nächsten Station stand eine Kiste mit Requisiten und es wurden lustige Fotos für’s Reiterstübchen geschossen.

Dritte Aufgabe war es, an einer Wäscheleine aufgehängte Pfauenfedern (der Pfau unserer Nachbarn wirft jeden Sommer seine Federpracht ab, da hab ich welche aufgesammelt) abzupflücken und mitzubringen.

Station 4:

Zum Schluss waren bei den Pferden gute Nerven gefragt: die Reiter mussten gemeinsam ein Lied singen und in die Hof-WhatsApp-Gruppe stellen. So hatten auch die Daheimgebliebenen was zum Lachen.

Natürlich gab es auch eine Siegerehrung. In acht Kategorien wurde jeweils ein Sieger gekürt und hat eine Urkunde bekommen.

Anschließend haben wir gemeinsam gegrillt. Ein sehr schöner Tag, 1000 Dank an unsere tollen Einsteller für’s organisieren, mitreiten, gute Laune machen, Kuchen backen, Salat zubereiten, aufbauen, abbauen,…

Haflinger just wanna have fun

Neulich hatte ich den vermutlich lustigsten Ausritt überhaupt: ich war ja bisher nicht so der Held im alleine reiten und bin an besagtem Tag eher zaghaft mit Tammi ins Gelände. Ich wollte eine langweilige, solide, ungefährliche Standardrunde auf bekannten Wegen drehen. Tammi hatte da andere Pläne. Immer wieder hat sie Wege von zu Hause weg vorgeschlagen, vor allem Wege, auf denen wir sonst nicht gehen. Und da sie höflich gefragt hat, habe ich sie gewähren lassen und es war so klasse. Wir haben wunderschöne Ecken entdeckt, einmal sind wir mitten im Wald gelandet und sie ist souverän über wild herumliegende Äste gestiegen, wir haben einen tollen Wiesenweg entdeckt und auf meine Frage „Magst du laufen“ ist sie da in feinster Manier hoch galloppiert. Und ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass sie dabei ein fettes Grinsen im Gesicht hat! Es war so herrlich 🙂 Das hat mich zu einem etwas kitschigen Haflinger-Gedicht inspiriert:

Haflinger sind goldfarben, weil sie Goldschätze sind,

Haflinger haben einen lustigen Schopf, weil sie Spaßvögel sind,

Haflinger haben einen breiten Rücken, weil Mut ein starkes Kreuz braucht,

Haflinger haben einen runden Popo, damit man sie wunderbar knuddeln kann.

Wahnsinn!!!

Wir alle misten und ackern, üben und trainieren bei jedem Wetter. Wir tun es gerne, wir tun es für unser Pony. Aber irgendwie tun wir es auch für diesen einen Moment:

Drei Ponies, die sich gut verstehen, drei Reiter, die sich gerne mögen. Ein Ausritt zum 10-Wege-Platz. 10-Wege-Platz das bedeutet eine sehr lange Galloppstrecke, auf die sich so gut wie nie ein Spaziergänger verirrt. Das sind sechs Herzen, die gemeinsam fliegen. Schnell, sehr schnell fliegen, jauchzen, jubeln. In dem Wissen, dass wir jederzeit verbunden sind und aus vollem Gallopp stehen bleiben können. Woher ich das weiß? Dreimal haben wir wegen verlorener Hufschuhe und loser Bändel angehalten. Drei Ponies, die geduldig stehen, nicht weil sie außer Puste sich,  nicht weil sie nicht galoppieren wollen, sondern weil wir sie darum bitten. Um beim go freudig weiter zu fetzen. Gib ihm, Juhuuuuuuuuu!!!

Hufschmied – vierter Teil

Im neuen Zuhause konnte Tammi barhuf gehen und die Hufbearbeitung hat mein Mann gemacht. So hatte ich jederzeit die Kontrolle darüber, was wann warum wie lange gemacht wird. Trotzdem sind wir dran geblieben und haben geübt: Hufe auf den Hufbock stellen und möglichst lange oben lassen. Ausbalanciert auf drei Beinen stehen. Angebunden länger stehen am Beschlagsplatz. Balance- und Dehnungsübungen nach einem uralten Artikel von Linda Tellington-Jones. Das alles hoch frequentiert positiv verstärkt. 
Warum?

Weil ein Beschlag immer medizinisch notwendig werden kann und ich mich als Mensch in der Verantwortung sehe, mein Pferd auf diese Situation vorzubereiten. Ich finde es unfair, sowohl dem Pferd, wie auch dem Schmied gegenüber, wenn sie im „Notfall“ zusehen müssen, wie sie miteinander klar kommen. Eine Erfogsgeschichte wird das leider trotzdem nicht. 

Als ich schwanger wurde, habe ich beschlossen, Tammi für die Zeit der Schwangerschaft beschlagen zu lassen. Einfach damit ich sie bewegen kann, ohne mit dickem Bauch Hufschuhe dranfummeln zu müssen. 

Mein Mann ist sehr souverän und erfahren, so dass ich den eigentlichen Hufschmiedtermin ihm überlassen habe. Ich wollte Tammi nicht wieder mit meiner Unsicherheit verunsichern. Der erste Termin lief gut, der zweite so lala, beim dritten gingen zwei Halfter drauf. Also wieder zurück auf Start.

Ich habe unseren Schmied darum gebeten, dass beim nächsten Mal jeweils nur zwei Hufe beschlagen werden und wir zwei getrennte Termine für Vorder- und Hinterhufe machen. Begeistert war er nicht, aber ich habe mich durchgesetzt und bin froh darüber. In meinem Umfeld hörte ich mehrmals den Satz: wenn sie brav ist, können wir ja doch gleich alle vier Hufe machen. Lernpsychologisch totaler Käse. Wenn sie brav ist hören wir erst recht auf. Es ist nicht immer einfach, in so einer Situation seinen Standpunkt zu behalten, aber es lohnt sich.

Und noch ein paar Kleinigkeiten haben wir verändert: Tammi wurde nicht angebunden, sondern meine Reitbeteiligung und ich haben Tammi gehalten, am Kopf gekrault und (ganz wichtig) uns unterhalten. So kamen wir gar nicht erst in Stress. 

Ja, es war deutlich mehr Aufwand, auch finanziell. Ja, ich kam mir zeitweise albern vor, so einen Aufriss zu machen. Aber Tammi war bei beiden Terminen super brav. Und das, obwohl ich das Gefühl hatte, sie hat innerlich Stress.

Es ist immer gut, sich Hilfe zu holen und sich Ratschläge anzuhören, aber am Ende muss man sich doch selbst Gedanken machen und auf sein Pferd hören. Denn nicht dein Trainer, Stallbetreiber, Stallkollege, Lieblingsbuchautor, Reitlehrer, Schmied muss am nächsten Tag deinem Pferd in die Augen schauen und sagen: ich habe richtig für dich entschieden. Das musst du allein.

Familie Hausrotschwanz

Wenn man auf dem Foto etwas erkennen würde, dann könnte man die kleinen Hausrotschwänze bei ihrem ersten Ausflug sehen.


Familie Hausrothschwanz hat im kleinen Roundpen gebrütet. Beide Eltern waren schwer am Schuften. Ohne Unterlass wurde Futter herbei geschafft, so dass ich mir daneben schon wie ein Faultier vorkam. Besuch in Roundpen war nicht so gerne gesehen, das gab ein Gezeter, dass ich nicht wissen möchte, wie viele Schimpfwörter so ein kleiner Vogel auf Lager hat.

Und nun machen die kleinen ihre ersten Ausflüge und ich hoffe, sie nehmen sich vor den Katzen in Acht!