Hufschmied – vierter Teil

Im neuen Zuhause konnte Tammi barhuf gehen und die Hufbearbeitung hat mein Mann gemacht. So hatte ich jederzeit die Kontrolle darüber, was wann warum wie lange gemacht wird. Trotzdem sind wir dran geblieben und haben geübt: Hufe auf den Hufbock stellen und möglichst lange oben lassen. Ausbalanciert auf drei Beinen stehen. Angebunden länger stehen am Beschlagsplatz. Balance- und Dehnungsübungen nach einem uralten Artikel von Linda Tellington-Jones. Das alles hoch frequentiert positiv verstärkt. 
Warum?

Weil ein Beschlag immer medizinisch notwendig werden kann und ich mich als Mensch in der Verantwortung sehe, mein Pferd auf diese Situation vorzubereiten. Ich finde es unfair, sowohl dem Pferd, wie auch dem Schmied gegenüber, wenn sie im „Notfall“ zusehen müssen, wie sie miteinander klar kommen. Eine Erfogsgeschichte wird das leider trotzdem nicht. 

Als ich schwanger wurde, habe ich beschlossen, Tammi für die Zeit der Schwangerschaft beschlagen zu lassen. Einfach damit ich sie bewegen kann, ohne mit dickem Bauch Hufschuhe dranfummeln zu müssen. 

Mein Mann ist sehr souverän und erfahren, so dass ich den eigentlichen Hufschmiedtermin ihm überlassen habe. Ich wollte Tammi nicht wieder mit meiner Unsicherheit verunsichern. Der erste Termin lief gut, der zweite so lala, beim dritten gingen zwei Halfter drauf. Also wieder zurück auf Start.

Ich habe unseren Schmied darum gebeten, dass beim nächsten Mal jeweils nur zwei Hufe beschlagen werden und wir zwei getrennte Termine für Vorder- und Hinterhufe machen. Begeistert war er nicht, aber ich habe mich durchgesetzt und bin froh darüber. In meinem Umfeld hörte ich mehrmals den Satz: wenn sie brav ist, können wir ja doch gleich alle vier Hufe machen. Lernpsychologisch totaler Käse. Wenn sie brav ist hören wir erst recht auf. Es ist nicht immer einfach, in so einer Situation seinen Standpunkt zu behalten, aber es lohnt sich.

Und noch ein paar Kleinigkeiten haben wir verändert: Tammi wurde nicht angebunden, sondern meine Reitbeteiligung und ich haben Tammi gehalten, am Kopf gekrault und (ganz wichtig) uns unterhalten. So kamen wir gar nicht erst in Stress. 

Ja, es war deutlich mehr Aufwand, auch finanziell. Ja, ich kam mir zeitweise albern vor, so einen Aufriss zu machen. Aber Tammi war bei beiden Terminen super brav. Und das, obwohl ich das Gefühl hatte, sie hat innerlich Stress.

Es ist immer gut, sich Hilfe zu holen und sich Ratschläge anzuhören, aber am Ende muss man sich doch selbst Gedanken machen und auf sein Pferd hören. Denn nicht dein Trainer, Stallbetreiber, Stallkollege, Lieblingsbuchautor, Reitlehrer, Schmied muss am nächsten Tag deinem Pferd in die Augen schauen und sagen: ich habe richtig für dich entschieden. Das musst du allein.

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