Warum ich mein Pferd reite

Warum ich mein Pferd reite

In letzter Zeit lese ich in den sozialen Medien immer wieder die Aussage, dass Pferde überhaupt nicht geritten, gefahren oder anderweitig „genutzt“ werden sollten. In Zeiten der Sensibilisierung für Missstände im Pferdesport vielleicht ein naheliegender Gedanke, der aber auch seine Tücken hat. Ich habe (beim Ausreiten) viel über das Thema nachgedacht und beschreibe hier meine ganz individuelle und persönliche Situation. Diese ist sicher nicht allgemein übertragbar, kann aber stellvertretend für viele Pferd-Mensch-Paare im Freizeitbereich gesehen werden.

Wildpferde und verwilderte Hauspferde (also Pferde, die nicht unter der Obhut von Menschen leben) leben auf sehr großen Flächen mit eher magerem Bewuchs. In seinem Webinar „Speisekarte der Pferde“ (August 2020) habe ich Marc Lubetzki gefragt, wie groß in etwa die Flächen sind, auf denen wildlebende Pferde leben und die Antwort war: 50 Hektar pro Pferd (!) bei normalem Bewuchs, 10 Hektar pro Pferd bei üppigem Bewuchs. Da „üppiger Bewuchs“ nicht mit unseren gedüngten, nährstoffreichen Böden, auf denen überwiegend Gräser und Kräuter, aber wenig Gehölze wachsen, nicht zu vergleichen ist, bewegen sich wildlebende Pferde täglich über große Strecken bei relativ wenig Kalorien in der Nahrung. Denn diese 10 – 50 Hektar sind ja kein „Weideland“, sondern enthalten Gebiete mit Bergen, Felsen, Wäldern… sprich auch Bereiche ohne (Gras)bewuchs.

In unserem Betrieb leben 18 Pferde und wir haben 6 Hektar Weidefläche zur Verfügung (was in einem Ballungsraum schon echt viel ist). Das heißt für Weidegang und Bewegung stehen 1/3 Hektar pro Pferd zur Verfügung, für die Fütterung wird Heu von weiteren Flächen zugekauft. Jedem dürfte klar sein, dass daraus weniger Bewegung und Sinneseindrücke für die Pferde resultieren. Pferde sind Fernwanderwild, sie mögen langes Laufen und wechselnde Umgebung. Das mangelnde Flächenangebot kann ich mit langen Spaziergängen durch unterschiedliche Landschaften, kleine Kletterpartien und Knabberpausen im Wald kompensieren (noch sind wir nicht beim Reiten, das kommt noch…).

Mein Pony ist eine Stute, Stuten in freier Wildbahn bekommen in einem großen Teil ihres Lebens jedes Jahr ein Fohlen. Sie sind tragend oder säugend oder beides. Wer mal ein Kind gestillt hat weiß: das frisst Kalorien ohne Ende! Die Genetik sagt meiner (leichtfuttrigen) Stute: friss soviel du kannst, das nächste Fohlen und der nächste Winter werden an dir zehren! 

Ich möchte mit meiner Stute nicht jedes Jahr ein Fohlen ziehen, wo sollte ich denn hin mit all den süßen kleinen Haflingern? Also muss ich dafür sorgen, dass meine Stute viel weniger frisst als ihre Biologie ihr das vorgibt. Was zu einem sehr unglücklichen und magenkranken Pony führen würde.

Oder ich muss dafür sorgen, dass sie die Kalorien anderweitig los wird. Zum Beispiel durch Bewegung. Bewegung im Schritt wird dafür nicht ausreichen, ich müsste immer wieder längere Strecken joggen. Also lange Strecken. Ich rede da von 20 Minuten aufwärts. Es gibt Menschen, die können das, ich zolle hier großen Respekt an Marathonponys. Ich kann das nicht. Wir sind mal gejoggt und ich gebe zu, dass meine Stute großen Spaß daran hatte. Leider habe ich davon übelst Rückenschmerzen bekommen und es nach einem halben Jahr wieder aufgegeben. Natürlich könnte man longieren, aber mehr als 20 Minuten im Kreis traben ist für Körper und Geist auch nicht optimal. Aber gut, mit einer Kombination aus Joggen und abwechslungsreichem Longieren bekäme man das mit den Kalorien vielleicht noch hin. 

Denn ein zu dickes Pony wird krank, nicht nur ein bisschen krank, sondern so richtig. Häufigste Folge von Übergewicht ist Hufrehe, das ist eine Entzündung im Huf. Ich stelle mir das vor wie eine Nagelbettentzündung. Auf der man drauf steht. Mit 500 kg Eigengewicht. Sowas wünscht man seinem schlimmsten Feind nicht…

In freier Wildbahn gibt es Raubtiere. Diese jagen und fressen unter Umständen auch Pferde. Das löst in wild lebenden Pferdeherden immer mal wieder einen ordentlichen Adrenalinschub nebst spritziger Flucht im Galopp aus. Es ist Teil des „Überlebenskampfes“, schärft die Sinne und durchlüftet die Lunge. Auch wenn es nicht schön ist, hat das doch eine wichtige Funktion. 

Im Galopp strömt wesentlich mehr Luft in die Lunge des Pferdes und diese erreicht auch Lungenregionen, die im Schritt nicht erreicht werden und es werden Reinigungsprozesse in Gang gesetzt. Sehr anschaulich erklärt Veronika Klein die Unterschiede der Belüftung der Lunge in verschiedenen Gangarten in ihren online Kursen. Zu tief möchte ich da jetzt nicht einsteigen, wer sich informieren möchte, dem kann ich „Kernkompetenz Pferd“ ans Herz legen.

Ich habe mit eigenen Augen Pferde gesehen, die in Ruhe keine Luft mehr bekommen. Weil die Lunge dicht ist, zugeschleimt durch unter Anderem Bewegungsmangel. Die stehen da, Nüstern und Augen aufgerissen und kriegen keine Luft! Wer Asthma hat, versteht, was ich meine. Kann man behandeln, aber ganz in Ordnung kommt die Lunge nie wieder.

Bei uns gibt es (noch) keine Raubtiere (an dieser Stelle bitte keine Wölfe-in-Deutschland-Diskussion!) und ich hatte auch nicht vor, in unregelmäßigen Abständen mal eins über unsere Weiden zu schicken. Das bekäme auch sicher den Pferden, die das Alter, das Pferde in freier Wildbahn erreichen, bereits weit überschritten haben, nicht gut. Und ohne triftigen Grund galoppiert mein Pony nirgendwo hin.

Aber ein bisschen Adrenalin, ein ordentlicher Galopp ab und zu, das muss schon sein. Und da ist dann Schluss mit Joggen. Longieren ist irgendwie auch raus, in hohem Tempo im Kreis ist nun wirklich nichts für die Gelenke. Da bin ich dann endgültig an dem Punkt, an dem ich auf den Ponyrücken klettere und mir den Wind durch die Haaren wehen lasse (natürlich nur sinnbildlich, ich trage Reithelm).

Genauer gesagt bereite ich mein Pony zunächst mental und körperlich gründlich darauf vor, einen Reiter zu tragen. Dann stärke ich systematisch diese Fähigkeiten durch ein regelmäßiges Training. Das kann dann schon mal Jahre dauern. Dann wähle ich einen geeigneten Weg, bestenfalls noch verantwortungsvolle Mitreiter und dann… Und dann hat nämlich auch das Pony Spaß daran und das ganze geht zur allgemeinen Freude und Gesundheit vonstatten. Und spätestens da muss ich dann halt doch reiten!

Für alle, denen diese Ausführungen zu theoretisch sind, ein kleines Gedankenspiel (bitte nicht zu ernst nehmen): Wie würde ich leben, wenn ich so leben würde wie mein Pony? 

Zunächst würde ich in einer WG mit, sagen wir mal, Kollegen wohnen. Keine ätzenden Kollegen, sondern welche, die echt ok sind. Gelegentlich wechselt ein Kollege die WG, mal hat man einen richtig guten Freund dabei, gibt aber auch Phasen, wo die halt ok sind. Man kommt aus miteinander und mit manchen lebt man echt lange zusammen.

Den größten Teil des Tages würde ich mit Essen verbringen. Eine kleine Portion absolutes Lieblingsessen (Gras), eine größere Portion leckeres Essen (Heu) und, naja, Multivitamintablette (Mineralfutter). 

Zum Schlafen hätte ich ein Einzelzimmer, was nicht schlecht ist, wenn gerade ein neuer Kollege in die WG eingezogen ist, mit dem man noch nicht warm geworden ist.

Einmal am Tag kommt mein personal Trainer vorbei. Ist schon seit 10 Jahren mein personal Trainer, wir verstehen uns ohne Worte. Wie immer hat er ein abwechslungsreiches Programm für mich ausgearbeitet: Gymnastik oder Ausdauertraining im Wald oder Krafttraining auf dem Sportplatz, gelegentlich auch Sportspiele (Horse Agility oder Zirzensik). Natürlich wird das Training detailliert protokolliert und regelmäßig Puls- und Atemwerte gecheckt. Ist manchmal anstrengend, aber hinterher geht’s einem eigentlich garnicht so schlecht. Geht meist so 1 1/2 Stunden das Training. Das beste an meinem personal Trainer ist, dass er alle meine Lieblingsjuck und -kraulstellen kennt und regelmäßig begrabbelt. Wenn ich mich anstrenge, freut sich mein personal Trainer wie Bolle und sagt mir ganz viele liebe Worte.

Ab und zu muss ich meinen personal Trainer beim Training tragen. In einer Kraxe (das sind diese Tragegestelle, in denen übermotivierte Eltern ihre Kinder beim Wandern tragen), diese ist genau an meinen Rücken angepasst und sitzt sehr gut. Trainer und Kraxe wiegen zusammen etwa 13% meines Idealgewichts, das sind bei mir ca 6,7 kg. Das ist schon was zu schleppen, aber der Schulranzen meiner Tochter ist im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht schwerer. Naja, die macht auch keinen Sport damit, aber ich hab das ja trainiert. Am Wochenende gibt es dann eine längere Wanderung mit Picknickpause. Das kann dann schon mal 3-4 Stunden laufen heißen, aber ca 1/3 vom Weg läuft mein Trainer eh selbst (man kann ja nicht ewig in so einer Kraxe hocken).

Ansonsten hab ich frei. Keine Hausarbeit, keine Erwerbsarbeit, keine Steuererklärung, kein nerviges Vereinbaren von Arztterminen (macht mein Trainer), keine beängstigenden Nachrichten aus der Welt, keine Ahnung von Klimawandel und Krieg, keine Kinder zum Sport fahren müssen,…

Also wenn mich einer fragt, ob ich mit meinem Pony tauschen würde: ich würde es ernsthaft in Betracht ziehen…

Auch eine Art der „Freiarbeit“

So sieht es aus, wenn wir die Pferde von der Weide holen.

Ich liebe es, die Pferde auf die Weide zu bringen und genauso sehr liebe ich es, sie von dort in den Stall zu holen. Und das nicht nur, weil unser Triebweg wunderschön gelegen am Waldrand entlang führt, ich die Vögel singen höre und nicht selten ein Reh (zur Zeit mit Rehkitz) oder Hase meinen Weg kreuzt.

Eigentlich off-topic, aber so süß…

Bei uns laufen die Pferde auf einem eingezäunten Weg vom Stall zu den Koppeln und zurück. D.h. sie werden nicht am Halfter geführt und ich nutze den Weg als tägliche Übung in Sachen Kommunikation.

Die Stuten auf dem Weg zur Weide.

Wir versuchen, dass unsere Herden eine möglichst harmonisch Herdenstruktur bilden. Zu erklären, wie wir das zu erreichen versuchen, führt hier zu weit.

Auf dem Triebweg kann ich die Herde beobachten und die Beziehungsgeflechte und Kommunikationsarten auf mich wirken lassen. Natürlich versuche ich, mit der Herde möglichst verständlich zu kommunizieren. Im Hinterkopf habe ich dabei die wunderbaren Videos und Erzählungen von Marc Lubezki.

Pferde nutzen sehr selten akustische Signale. Eine klassische Situation, in der Pferde ein akustisches Signal nutzen, ist der Standortwechsel. Möchte ein Pferd den Standort wechseln, so teilt es dies der Herde durch ein Brummeln mit. Das simuliere ich durch meinen Ruf „Na komm“. Dann kommt der Entscheidende Teil: Warten!

Natürlich könnte ich versuchen, die Sache zu beschleunigen, indem ich auf die Weide laufe und die Pferde vor mir her treibe. Aus sieben Jahren Erfahrung kann euch euch verraten, dass dieses Vorgehen mich und die Pferde stresst, eine Menge Energie kostet und keine Sekunde Schneller geht!

Bei Bedarf wiederhole ich meinen Ruf. Blickt ein Pferd aus der Herde dabei auf und zu mir hin, so senke ich den Blick und stellte mir vor, dieses Pferd in meinen Bauchnabel einzusaugen. Vielleicht mache ich zusätzlich einen kleinen Schritt rückwärts oder verlagere auch nur das Gewicht ein wenig nach hinten.

Da die Zusammensetzung unserer Herden zum Glück oft lange Zeit sehr konstant ist und ich die Möglichkeit habe, ihre Interaktionen täglich zu beobachten, weiß ich genau, welches Pferd welche Aufgabe in der Herde erfüllt. Meist gibt es ein Pferd, das die Aufgabe hat, vorneweg zu gehen. Und meist gibt es 2 oder 3 Pferde, denen die andern Pferde gerne folgen.

Daraus ergibt sich, dass ich sprachlich und körpersprachlich (Blickkontakt) gezielt diese Pferde anspreche. An den meisten Tagen läuft es dann so, wie in dem Video zu sehen: ein bis zwei Pferde bewegen sich gemächlich in meine Richtung, die Anderen folgen nach und nach.

Es kommt jedoch vor, dass die Pferde nicht zum Ausgang kommen möchten. Manchmal kann ich erkennen, dass sie zwar zum Stall möchten, aber den Ausgang nicht passieren wollen. Ich kann mir vorstellen, dass im Bereich des Ausgangs während der Weidezeit vielleicht Wildschweine im Wald waren. Manchmal ist es auch nur ein umgefallener Baum, der sie ängstigt. Dann hat es sich bewährt, gemeinsam mit dem Pferd, das die Aufgabe hat vorneweg zu gehen, die „Gefahrenstelle“ zu passieren.
Hierzu benutze ich manchmal einen Strick (oder Schal, wenn ich gerade keinen Strick dabei habe), um das Pferd zu führen. Oft reicht es aber schon, die Hand zur Pferdenase hin zu strecken, bis das Pferd sie von sich aus berührt, sich dann zum gehen abzuwenden und vorneweg zu laufen. In ganz vielen Fällen folgt dieses Pferd dann mir und der Rest der Herde dem Pferd.
So gehen wir gemeinsam durch den Ausgang, bis ich den Eindruck habe, dass die sich Pferde nun alleine weiter trauen. Dann muss ich wieder ans Ende der Herde, um Weidetore zu schließen und bummelnde Nachzügler zum Aufschließen zu überreden.

Vor ein paar Tagen ist Marc Lubetzkis neues Buch mit dem Titel „Im Gespräch mit wilden Pferden“ herausgekommen. Bestellt ist es und vermutlich wird mein Wissen und mein Gefühl für die Kommunikation mit Pferden beim Lesen einen Quantensprung machen. Und ich muss den Blogbeitrag anschließend komplett überarbeiten 😉
Trotzdem wollte ich euch meine persönlichen Beobachtungen und das schöne Video nicht vorenthalten.

Themenabend mit Marc Lubetzki

Marc Lubetzki ist ja bereits Routinier in Bezug auf Online-Vermittlung seiner Inhalte und da durch das Corona-Virus derzeit keine Präsenzvorträge möglich sind, hat er am 18.4.2020 seinen Vortrag zum Thema „Die ideale Zusammenstellung von Hauspferdegruppen“ ins Netz verlegt. Das hatte für mich den Vorteil, dass ich daran teilnehmen konnte. Insgesamt waren etwa 70 Teilnehmer online.

Zunächst hat Marc die verschiedenen Herdengrößen vorgestellt. Zwei Pferde sind bereits eine Herde. Auch in der Natur gibt es Herden, die nur aus zwei Tieren bestehen. Häufig handelt es sich um einen jungen Hengst oder einen, der keine größere Herde möchte und eine Stute.
Eine häufig vorkommende Herdengröße ist 8-12 Pferde, diese Gruppen sind sehr stabil und es gibt in der Regel einen Althengst.
In großen Herden mit 35 bis 40 Tieren toleriert und braucht der Althengst andere Hengste zu seiner Unterstützung. Die Strukturen sind etwas lockerer, häufig bildet eine Gruppe älterer Pferde den konstanten Kern der Gruppe, während die „jungen Erwachsenen“ eher mal die Herde wechseln. Dieser Wechsel ist ein fließender Übergang, der sich über Tage und Wochen hinzieht und die „neue“ Herde ist auch nicht völlig fremd, sondern eine Herde aus dem Herdenverband.
Dann gibt es natürlich noch die Junggesellengruppen.

Im zweiten Teil haben Marc und seine Frau Eike die fünf Elemente aus der traditionellen chinesischen Medizin vorgestellt und anhand von Beispielen gezeigt, welche Eigenschaften und Merkmale der Pferde sich welchen Elementen zuordnen lassen. Alle gezeigten Videos wurden innerhalb der gleichen Herde aufgenommen und haben die Typen sehr schön illustriert.

Holz: ein Pferd im Holz-Typ ist sehr aktiv und kontaktfreudig. Ein typischer Holz-Hengst, wie er im Video gezeigt wurde, hat eine große Herde und ist sehr „tolerant“. Er spielt viel mit den Junghengsten.
Wichtiges Sinnesorgan: Augen

Feuer: Ein Feuer-Pferd ist aktiv, neugierig und mutig. Aber auch wankelmütig und hat eine kurze Aufmerksamkeitsspanne. Bei Stuten ist es häufig ein Tier, welches voraus geht und die Umgebung erkundet. Ein typischer Feuer-Hengst hat keine eigene Herde.
Wichtiges (Sinnes)Organ: Zunge

Erde: das Erde-Pony ist üppig: massiger Körper, runde Formen, viele Haare. Es ist gesellig, ruhig, energiesparend und leichtfuttrig. „Erde erdet“ und so ist das Erde-Pferd ein verbindendes Pferd, sowohl innerhalb der Gruppe als auch zwischen den Herden. Bei Überforderung, z. B. zu großer Herde, neigt es zum „büffeln“.
Wichtiges (Sinnes)Organ: Maul

Metall: das Element Metall steht für Beständigkeit und Eleganz. Hengste, die im Metall-Typ stehen, können große Herden führen. Da sie sehr gut einschätzbar sind, schließen sich andere Pferde ihnen gerne an. Sie sind eher unauffällig, haben einen langen Körper und sind schmal von der Statur.
Wichtiges (Sinnes)Organ: Nase

Wasser: ein Pferd im Wasser-Typ ist gerne für sich, ist vorsichtig und zurückhaltend. Oft sind sie die „Alarmanlage“ der Herde. Wasser-Pferde sind sehr geräuschempfindlich und wollen wenig körperliche Nähe.
Wichtiges (Sinnes)Organ: Ohren

Manche Typen ergänzen sich und passen somit gut zusammen. Zum Beispiel kann der Holz-Typ bei zu viel Belastung aus der Balance geraten und ein Wasser-Typ bringt Stabilität und Ruhe. Metall kann starr werden und der Feuer-Typ bricht die Starre auf.

Natürlich sind die Elemente eine Annäherung und jedes Pferd hat seinen ganz individuellen Charakter, in dem sich auch Elemente mischen können.

In der Natur ist es die Aufgabe des Althengstes, die Herdenmitglieder harmonisch zusammenzustellen und auch die Größe der Herde wählt er so, dass es zu ihm passt und er seine Aufgabe in der Herde gut erfüllen kann. Für uns Menschen ist es schwierig, diese Aufgabe ebenso gut zu erfüllen, denn wenn wir Herden zusammenstellen, spielen auch andere Faktoren als Harmonie eine Rolle und wir sind auch nicht 24 Stunden am Tag in der Herde. Dennoch können wir versuchen, ein paar Faktoren zu berücksichtigen.

Was können wir daraus für unsere Hauspferdeherden lernen?
Konflikte innerhalb einer Herde gibt es in der Natur nicht. In unseren von Menschenhand zusammengestellten Herden sollten wir sicher stellen, dass kein Pferd permanent aus der Herde verjagt wird. Dann passt es nicht in die Herde und leidet darunter. Ebenso sollte es nicht regelmäßig vorkommen, dass Pferde nach einander ausschlagen. Marc hat in Bildern und Videos den Unterschied zwischen Spiel und Ernst gezeigt, das kann ich jetzt nicht so schön illustrieren. Wichtig ist, dass die typischen „Spielchen“ sich eher „vorne“ abspielen (Steigen, Wadenbeißen,…) und durch ein gemeinsames Laufspiel aufgeöst werden. Tritt ein Pferd regelmäßig hinten aus, meint es das nicht spielerisch. Das wäre dann ein Fall, in dem wir in die Herdenzusammensetzung eingreifen müssen.

Pferde fressen in der Natur weit auseinander und ruhen dicht zusammen. Lässt sich dies in der Haltung übernehmen, wäre es wünschenswert.

Hat man häufiger Wechsel in der Herde, z.B. weil man einen Pensionsstall betreibt, so wäre man mit großen Herden (ca 40 Pferde) näher am natürlichen Verhalten, allerdings sind entsprechend große Flächen und ein ausreichendes Futterangebot Voraussetzung. In solch großen Gruppen bilden die Pferde dann von selbst kleine harmonische Untergrüppchen. Hier kann man auch recht problemlos neue Pferde integrieren.
Bei kleineren Herden sollte das neue Pferd unbedingt zunächst getrennt von den Anderen stehen und die Möglichkeit bekommen, die Herde zu beobachten. Das tun Pferde in der Natur ebenfalls: wenn sie in eine andere Herde wechseln, so beobachten sie diese auch erst aus der Ferne.
Nach Marcs Beobachtungen dauert es ein Jahr, bis ein Pferd in seiner neuen Umgebung wirklich angekommen ist. Das deckt sich sehr genau mit meinen eigenen Beobachtungen.
Die Frage nach der idealen Zusammenstellung von Hauspferdegruppen lässt sich natürlich nicht pauschal beantworten, aber ein paar Hinweise haben wir schon bekommen und zwei Tipps hat Marc noch für uns: natürlicher sind gemischte Herden mit allen Altersstufen und Rasseunterschiede sind bei der Zusammenstellung weniger problematisch als schlecht sozialisierte Pferde.

Aus den ursprünglich geplanten 90 Minuten Videokonferenz sind vier Stunden geworden und Marc hat unermüdlich alle Fragen der Teilnehmer beantwortet. Das kann und will ich nicht alles wiedergeben, was ihr hier lesen durftet, ist meine persönliche, subjektive Zusammenfassung von den Dingen, die ich spannend fand und mir notiert habe.
Ganz viele tolle Artikel, Angebote und Infos von Marc Lubetzki findet ihr unter marc-lubetzki.de

Marc Lubetzki

Ich bin vor etwa einem Jahr zufällig auf die Internetseite von Marc Lubetzki gestoßen und habe mir zwei Live-Webinare von ihm angesehen und in seinen Podcasts gestöbert.

Er war mir auf Anhieb sehr sympathisch, weil er langsam und bewusst spricht und bei einer Frage auch mal sagt, dass er über die Antwort erst einmal nachdenken möchte. Man merkt an jedem seiner Sätze, dass er nachdenkt und hinterfragt. Dass er keine Pauschalsätze raushaut, dass er nicht versucht, uns die Welt schön einfach und genormt zu vermitteln. Er lässt komplexes komplex und uneindeutiges uneindeutig. Bei seinen Beobachtungen entdeckt er viele wunderbare Details, an denen er uns teilhaben lässt.

Als Tierfilmer reist er zu wild lebenden Pferdeherden und verbringt oft mehrere Wochen in einem Gebiet und bei und in einer Herde. Seine Filme stellt er nach Themen geordnet zusammen und veröffentlicht sie unter Anderem wöchentlich in der Masterclass. Ich selbst bin nicht in seiner Masterclass angemeldet. Obwohl ich das sehr gerne wäre, habe ich mich bewusst dagegen entschieden, weil es mich komplett überfordern würde, jede Woche etwas zu erfahren, was ich vielleicht im Stall sofort umsetzen möchte und es nicht kann, weil Zeit oder Geld fehlen. Außerdem bevorzuge ich Bücher, weil ich diese in meinem Tempo lesen kann.

So war ich überglücklich, als sein erstes Buch „Im Kreis der Herde“ erschien und wurde nicht enttäuscht. In seiner wundervollen Art erzählt er von seinen Erlebnissen in wilden Pferdeherden. Man reist mit ihm in rauhe Landschaften und fühlt sich selbst im Kreis der Herde. Dass die Fotos absolut grandios sind, muss ich bei einem Tierfilmer wohl nicht dazu sagen.

Das Schönste: ich kann das Buch so oft lesen, wie ich möchte, kann es dekorativ ins Regal stellen, kann vor und zurück blättern, einzelne Sätze oder Kapitel markieren, etwas nachschlagen oder einfach nur entspannt Fotos gucken. Für mich bleibt das Buch einfach das Königsmedium. Schreibe mehr davon, Marc!