In diesem Herbst und Winter haben uns im Stall die Nagetiere geplagt wie noch nie und auch die schönen Fettleder-Zügel, die ich meinem Mann gemacht hatte, wurden angenagt 😦
Aber da mein Mann den ganzen Sommer über Bonnis Mähnenkanm intensiv mit Kokosfett einreibt (hilft ganz gut gegen Sommerekzem), konnte er sie im Sommer sowieso nicht benutzen. Zügel, die durch die Hand flutschen wie Schmierseife, sind nicht so praktisch
Also habe ich improvisiert und mich ans schon lange geplante „Zügel aus PP-Seil flechten“ gemacht…
Die gespleißten Zügelenden aus Fettleder konnte ich retten, diese habe ich abgeschnitten und mit einer Buchschraube einen D-Ring daran befestigt (Buchschrauben und D-Ringe bekommt man z.B. bei Lennie-Equipment).
Außerdem habe ich 24 m PP -Seil bei Panacord.eu bestellt. Daraus habe ich 6 Stücke á 4 m geschnitten und die Enden mit dem Feuerzeug abgeflammt. Je 3 Schnüre habe ich bis zur Hälfte durch einen der D-Ringe gezogen, so dass ich zum Flechten nun an jedem Zügelende 6 Schnüre á 2 m hatte.
Diese habe ich nun wie in dem Buch „Ausrüstung selbst gemacht“ von Andrea Adrian (ISBN 978-3-275-01766-9 S.50 ff) geflochten. Nur eben mit 6, nicht mit 8 Schnüren.
Da mein Mann gerne geschlossene Zügel möchte, kam nun die Herausforderung, beide Flechtenden miteinander zu verbinden. Zuerst wollte ich die Enden zu einer Quaste zusammefassen, das war mir aber zu schwer und wuchtig.
Ich saß also vorm Fernseher und habe so vor mich hin gefuddelt, dachte mir, einspleißen wäre doch nett und irgendwann sah es so aus, wie es jetzt aussieht. Meinem Mann und mir gefällt’s, stabil ist es auch, aber – sorry – ich kann beim besten Willen nicht erklären, wie ich das gemacht habe.
Die überstehenden Enden habe ich so abgeschnitten, dass noch ca 1 cm Seil raus geschaut hat. Danach habe ich das Ende mit dem Feuerzeug abgeflammt und, solange es noch heiß war, fest in das Geflecht gedrückt. Um mir dabei nicht die Finger zu verbrennen, hatte ich Spontex Grip Extreme Handwerkerhandschuhe an. Wenn man die Enden gut andrückt, sollte es halten und auch keine Spitzen und Kanten bilden. Zur Sicherheit habe ich jedes Ende noch mit ein paar Stichen mit Nähgarn vernäht, aber ich glaube, das wäre garnicht unbedingt nötig gewesen.
Das war also meine kleine Zügel-Rettungs-Bastelei.
Bonni mit ihren neuen Zügeln.
Kleiner Teaser: für mein nächstes Projekt habe ich noch mehr Schnüre und außerdem BioThane bestellt und ich habe meine 4-jährige Tochter die Farben für alle Materialien aussuchen lassen. Das wird BUNT!!!
…Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind Sein Ross, das trug ihn fort geschwind.
Wir sind nicht durch Schnee, sondern im dichten Nebel geritten und so richtig geschwind waren wir auch nicht, aber Tammi und ich durften auf dem Kindergartenumzug meiner Tochter Sankt Martin(a) und edles Ross spielen!!!
Mein Mann hat vor ein paar Jahren mit seiner Stute den Sankt Martin gespielt und ich fand das total aufregend und habe mir sehr gewünscht, das mit Tammi auch mal zu machen. Nach ein paar entsprechenden Andeutungen hat das Kita-Team mich dann tatsächlich gefragt, ob ich als Sankt Martin reiten will.
St. Martin ritt mit leichtem Mut Sein Mantel deckt ihn warm und gut.
Von leichtem Mut kann nicht die Rede sein, obwohl top vorbereitet, war ich sterbensaufgeregt und leicht genervt, als Tammis Rücklicht immer aus ging.
Da die Kita nur 3,5 km vom Stall entfernt liegt und Tammi eh ein paar Kilos loswerden muss, wollte ich gerne mit ihr hin und zurück reiten. Einen Teil der Strecke musste ich im Straßenverkehr zurücklegen, deshalb habe ich mir von Equilumen dieses Stiefellicht gekauft. Auch Tammi sollte gut sichtbar sein: ein leuchtendes Vorderzeug habe ich schon seit längerem für sie und für das rote „Rücklicht“ habe ich auf den Schweiflatz der Reflexdecke eine kleine Tasche genäht. Dazu habe ich ein Mehrweg-Obst-Säckchen aus dem Supermarkt genommen, das hatten wir im Haus und es scheint genug Licht hindurch. In das Täschchen kam eines der rotes Lämpchen aus dem Stiefellicht-Set rein, funktioniert prima. Insgesamt bin ich mit dem Vorderzeug und Stiefellicht von Equilumen super zufrieden, nur das eine Lämpchen wollte an diesem Abend nicht so recht.
Doch meine gründliche Vorbereitung hat meine Laune wieder steigen lassen: ich war im Vorfeld bereits mehrfach zur Kita geritten. Reitend und bei Bedarf führend haben wir uns erst nur an einen Teil der Strecke und schließlich durch den Ort bis ganz zur Kita herangetastet. Hier kam mir die Tatsache, dass direkt am Außengelände der Kita eine von meinem Mann bewirtschaftete Heuwiese liegt, sehr entgegen. Da diese im Sommer zuletzt gemäht wurde, stand dort noch ordentlich Gras und da die Wiese von uns bewirtschaftet wird, wusste ich, dass dort gutes Gras wächst (kein Weidelgras, keine Giftpflanzen). So durfte Tammi bei jedem Trainingsritt 15 Minuten auf der Heuwiese grasen. Das ist für Tammi ein überzeugendes Argument, so dass sie sich, sobald das Ziel unseres Rittes klar wurde, sehr eigenmotiviert durch den Ort bewegt hat und auch Brücken und Baustellen konnten sie nicht mehr aufhalten 🙂 Zum Trainingsplan gehörte ein Ritt im Hellen, ein Ritt bei Dunkelheit und natürlich einer, wenn auf dem Kita-Außengelände alle Kinder toben.
Als Mantel hatte ich eine rote Fleecedecke mit einer großen Sicherheitsnadel an der Schulter zusammengesteckt. Sehr simpel und ja, sehr warm. Wenn dann noch Protektorenweste drunter und aufgeregt – schwitz…
Im Schnee saß, im Schnee saß Im Schnee, da saß ein armer Mann Hat Kleider nicht, hat Lumpen an „O, helft mir doch in meiner Not Sonst ist der bittere Frost mein Tod“
Ein armer Mann war nicht an der Kita und Schnee lag ja zum Glück auch nicht. Stattdessen stand meine liebe, tolle Reitbeteiligung an der Kita bereit. Sie hat Tammi während des Umzuges geführt. Das hat Tammi und mir viel Sicherheit gegeben und es war schön, dieses aufregende Erlebnis mit ihr zu teilen.
Sankt Martin, Sankt Martin Sankt Martin zog die Zügel an Sein Ross stand still beim armen Mann
Das Stillstehen sollte sich als größte Herausforderung erweisen. Da ich mein Pferd kenne, hatte ich darum gebeten, das Schauspiel mit Bettler, Mantel teilen, etc. wegzulassen. Tammi ist ein wirklich nettes Pony, aber wenn sie ein wenig aufgeregt ist und sinnlos rumstehen soll, kann sie sehr sauer werden. Leider hatte mir keiner gesagt, dass wir unterwegs fünfmal stehen bleiben, um uns zu sammeln und ein Martinslied zu singen. Glücklicherweise fiel mir recht schnell ein, dass Tammi sich meist beruhigt, sobald ich Lektionen abfrage (Schaukel, Schulterherein, Volte, Vor-, Hinterhandwendung, Traversale). Dummerweise haben meine Reitbeteiligung und ich nie vorher geübt, wie man das zu zweit (vom Boden und Sattel) macht. Es gab ein kleines Hilfen-Wirrwarr, das nächste Mal würde ich mir für diesen Fall eine kleine „Choreografie“ ausdenken und klare Absprachen treffen, wer denn nun die Hilfen gibt.
Sankt Martin mit dem Schwerte Teilt den warmen Mantel unverweilt
Sankt Martin, Sankt Martin Sankt Martin gab den halben still Der Bettler rasch ihm danken will Sankt Martin aber ritt in Eil‘ Hinweg mit seinem Mantelteil
Tatsächlich haben auch wir uns in Eil‘ davon gemacht. Beim letzten Halt, bei dem Sankt Martin sich von den Kindern verabschieden sollte, kam ein unbedarfter Passant dunkel gekleidet aus entgegengesetzter Richtung an uns vorbei geschlichen. Da hat Tammi sich dann doch kurz erschreckt (nicht dramatisch, nur kurz den Kopf hoch gerissen), aber wir wollten ihre Nerven nicht überstrabazieren und sind (nach sehr kurzer Verabschiedung von den Kindern) zügig Richtung Heimatstall marschiert. Schade, dass der Passant unser kleines Infoplakat nicht kannte. Etwa eine Woche vor Sankt Martin hatte ich dieses Plakat gezeichnet:
Das Plakat wurde in allen Kindergartengruppen im Morgenkreis besprochen und ein Bild davon an die Eltern geschickt. Hat super geklappt, die Kinder wussten schon am Vortag (da war ich zur „Generalprobe“ mit Pferd an der Kita) alle die Regeln und haben sich gegenseitig ermahnt, sich daran zu halten. Mit meiner Einschätzung (eine geschlossene Gruppe lärmender und leuchtender Kinder ist weniger schlimm für Tammi, als eine schleichende Einzeperson) lag ich wohl richtig.
Nach dem kleinen Schreck war Tammis Kopf aber bereits nach 150 Metern laufen wieder in entspannter Haltung, meine Reitbeteiligung hat sie sicher nach Hause gebracht und ich habe die Äppelhaufen eingesammelt, die im Laufe des Nachmittags auf der Straße gelandet sind.
Es war schön, es war aufregend, es hat Spaß gemacht, mich mit Tammi systematisch vorzubereiten und zu spüren, wie wir gemeinsam an der Aufgabe gewachsen sind. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich mal entspannt durch eine dunkle aber belebte Ortschaft reite. Was mir viel Sicherheit gegeben hat, war die Aufgabe in viele einzelne kleine Elemente zu zerteilen und diese erst einzeln zu erarbeiten und dann zum Gesamtereignis zusammenzusetzen: die Strecke, die Kinder, Lichter und Laternen,…
Trotzdem freue ich mich jetzt auf entspannte Ausritte im Wald, ohne Kinder, Lichter, Lieder…
Endlich fertig, mein zweites Campo-Tuch! Ich freue mich und bin stolz. Im Januar hatte ich ja bereits eine kleine Anleitung und Bilder von meinem ersten Tuch aus Wollfilz veröffentlicht. Das zweite Tuch ist aus einer leichten Baumwolle, hat ebenfalls zwei Taschen und Reflektorpaspel und ist nach dem gleichen Schnitt genäht. Die Baumwolle ließ sich deutlich besser verarbeiten als der Wollfilz, aber an den Fransen bin ich fast verzweifelt. Mal eben den Schussfaden (Querfaden) aus dem Stoff heraus ziehen, das war dann doch mühseliger als gedacht. Und die Fernsehabende, an denen man sowas machen kann, waren auch deutlich seltener als gedacht.
Falls jemand ernsthaft ein Tuch mit Fransen auf diese Weise herstellen möchte, hier meine Fransen-Tipps:
Werkzeug: Stoffschere, Pinzette und LäusekammEs kann losgehen…
1. Den Stoff in etwa 1,5 cm breite „Fransen“ schneiden.
2. An der oberen Kante eine stabile Naht setzen (das habe ich im zweiten Schritt gemacht, um nicht versehentlich in meine Naht zu schneiden).
3. An der Franse die Kettfäden (Längsfäden) seitlich herausziehen, bis die Querfäden ein paar Millimeter herausschauen 4. Am oberen Ende einige Querfäden mit der Pinzette herausziehen. Lässt man diesen Schritt aus, wird der Übergang vom Stoff zu den Fransen nicht schön.
5. Die Längsfäden seitlich herausziehen, bis nur noch 2-3 Längsfäden übrig sind und man die Querfäden locker herauszupfen kann. 6. Die fertigen Fransen mit einem Läusekamm auskämmen.
Das Ganze etwa 60x wiederholen, nach Belieben noch zu Strähnen knoten und schon hat man hübsche Fransen am Campo-Tuch. Es gibt aber auch fertige Fransenbänder zum annähen im Fachhandel zu kaufen 😉
…wer Designerin werden will: Theklas erste Pferdedecken-Kollektion!
Zuschneiden und nähen muss zwar noch ich, aber die Stoffe und farbigen Klettbänder aussuchen und entscheiden, welches Pony welche Farbe trägt, das kann Thekla mit ihren 4 Jahren schon ganz hervorragend.
Im Laufe der Jahre habe ich vier der wunderbaren Selbstlern-Kurse von Babette Teschen und Tania Konnerth erstanden und da ich ein „Auf-Papier-Leser“ bin, habe ich sie ausgedruckt und in Aktenordner abgeheftet. Und seitdem ärgere ich mich über die hässlichen Aktenordner neben den vielen prachtvollen Pferdebüchern in meinem Regal. Das sieht nicht schön aus und wird dem Inhalt auch nicht gerecht.
Am Liebsten würde ich mir die Kurse als Buch drucken lassen. Bei vier Stück wäre das aber ganz schön teuer. Dann hatte ich vor, mir schöne Ordner zu kaufen, aber die richtig schönen sind auch nicht gerade billig. Was bleibt dann, außer selber machen? Zum Glück sammle ich die Stoffe alter Bettlaken, Blusen, T-Shirts,… Damit habe ich jetzt den ersten Ordner beklebt und die Anderen kommen auch noch dran 🙂
Es ist vollbracht – oder ich kann es nicht mehr sehen: ich habe so viel an den Zeichnungen auf dem Papier und der Komposition im Photoshop gearbeitet, dass ich tatsächlich das Gefühl habe, nichts mehr zu sehen. Darum habe ich beschlossen, dass sie fertig ist, die „Matinee zu Ross“!
Matinee bedeutet übrigens „künstlerische Veranstaltung am Vormittag“, ich musste es auch googeln. Da mein Mann immer am Sonntagvormittag reitet, was natürlich immer ein schöner, mit seinem Campo-Tuch fast schon künstlerischer Anblick ist, fand ich diesen Titel für meine Herrenkollektion sehr passend.
Für die Damen gibt es die Kollektion „Schwarzwälder Rose“. Jetzt wäre nur noch zu klären, ob das Geschlecht des Pferdes zum Reiter, zur Kollektion oder zu keinem von beidem passen muss. Mit dieser weltbewegenden Frage verabschiede ich mich und wünsche eine wundervolle Zeit.
Was kann man tun, wenn man eine ideale Location in voller Blütenpracht und perfektem Licht entdeckt, das Pony gerade gelangweilt vor sich hin döst und man genau weiß: bis ich mir einen Helfer organisiert habe, ist das Licht weg, wenn nicht sogar die Blütenpracht vorbei. Dann kann man es lassen oder es alleine versuchen.
Der Blütenpracht im Abendlicht konnte ich jedenfalls nicht widerstehen und so habe ich Mann und Kind ihrem Schicksal auf dem Sofa überlassen, habe Stativ und Kamera aus dem Schrank gezerrt und bin flugs zum Pony gerannt. Zum Glück ist Tammi mittlerweile meine Spinnereien gewöhnt und hat sich nicht viel daraus gemacht, dass ich völlig unvorbereitet losgezogen bin. Stoisch hat sie abgewartet, bis ich das Stativ mit der Kamera verbunden, aufgestellt und die Kamera eingeschaltet hatte (gut, sie hatte gerade sowieso nichts besseres zu tun, Mittagsheu war schon leer und für’s Abendheu noch zu früh). Zumindest die Location hatte ich ja schon fix im Kopf.
Meine Kamera kann man über das Handy fernsteuern, so konnte ich gleichzeitig Pony in Position bringen und fotografieren. Leider ist oft beim Fotografieren vor lauter Aufregung mein Kopf plötzlich ganz leer und ich habe vergessen, den Fokuspunkt zu setzen. Wenn meine Kamera alleine entscheiden muss, auf was sie scharf stellt, so ist meistens irgendetwas im Hintergrund scharf, aber nicht der Kopf vom Pony. Bei diesem Bild hat die Kamera sich für mein Gesicht entschieden, glücklicherweise befand sich das zufällig auf der gleichen Schärfenebene wie Tammis Kopf. Also konnte ich bis auf dieses Bild alle Fotos direkt in die Tonne treten. Macht aber nichts, ein Bild reicht ja und vielleicht habe ich etwas daraus gelernt…
Es wäre schön gewesen, wenn sie etwas lebhafter geschaut hätte, aber das geduldig sein war in diesem Moment ihr gefragteres Talent…
So sieht das aus, wenn man allein ist beim „Shooting“…
So ein Fotohalfter kann man übrigens ganz leicht selbst flechten, eine Anleitung gibt es im Buch „Pferdesachen selber machen“ von Christiane Gohl auf Seite 16 (ISBN: 9783440076811, leider nur noch gebraucht erhältlich). Mein Fotohalfter ist immer am Tragegurt der Fototasche befestigt, falls ich mal ganz spontan ein Pferd fotografieren muss (das ist sehr wahrscheinlich, Frau Kosel)…
Letzten Sommer waren Mann, Kind und ich ein paar Tage in Starnberg und sind beim Stadtbummel zufällig in einer kleinen „Gössl“ Boutique gelandet. Mein Mann hat sich dort ein wunderschönes Leinenhemd gekauft (in dem er ganz großartig aussieht, das er nur viel zu selten trägt) und ich habe mir das „Gwandhaus Journal“ mitgenommen. Ich mag ja Tracht sehr gerne, egal ob bayerisch oder mittelamerikanisch, und habe viel darin geblättert.
Genau wie die Tracht hat auch die Reiterei eine lange Tradition und es hat für mich einen besonderen Reiz, beides immer wieder neu zusammen zu bringen. In diesem Fall die detailreichen, wunderschönen Designs von „Gössl“ mit dem klassischen Prunkhalfter der Kaltblüter und Haflinger.
In meinem Kopf keimten Ideen, die wuchsen und letztendlich raus wollten. Da ich für die Umsetzung so mancher Idee weder Zeit, noch Geld, noch Bedarf habe, wird das Zeichnen zum Ventil und der Blog zum Catwalk.
Ich präsentiere: die Kollektion „Schwarzwälder Rose“, inspiriert von der Ausgabe No31 – 2020 des „Gwandhaus Journal“
In kürze folgt noch ein Modell für den Herrn. Leider sind die Zeichnungen noch nicht fertig, hier ein erster Vorgeschmack:
Auf der Suche nach einer schönen Schabracke für meinen Mann und seine PRE-Stute bin ich im Internet zufällig auf das „Campo-Tuch“ gestoßen. Man findet es auf Websiten für iberisches Reitzubehör, leider konnte ich nicht mehr Informationen dazu finden, als die in den eher kurzen Beschreibungstexten. Das Campo-Tuch kommt aus Spanien und ist eine Art Schal, der vorne am Sattel befestigt wird. Traditionell dient es als Zierde der spanischen Pferde und um Initialen oder Brandzeichen zur Schau zu tragen. Manche Tücher haben zwei Taschen, in denen Kleinigkeiten verstaut werden können und bei Kälte wärmt das Campo-Tuch die Knie des Reiters. Mehrere Campo-Tücher aus Baumwollstoff nebeneinander gelegt, bilden ein Tischtuch beim stilvollen Picknick. Schön und multifunktional – genau mein Ding! Und da die Vorweihnachtszeit die Zeit des Bastelns und Gestaltens ist, war klar: so ein Tuch nähe ich meinem Mann zu Weihnachten! Nicht mit seinen Initialen, sonder mit unserem Mordach-Logo. Und da mein Mann gerne mal vergisst, vor dem Reiten sein Pferd mit Reflektoren auszustatten, wollte ich gerne Reflektorpaspel verarbeiten. Sozusagen als eingebautes Sicherheitsfeature.
Im Stoffgeschäft konnte ich mich nicht zwischen einer leichten Baumwolle und Wollfilz entscheiden, also habe ich beides mitgenommen und besticken lassen. Leider ist nur ein Tuch fertig geworden, nämlich das aus Wollfilz, meine Variante für den deutschen Winter:
Die Maße habe ich mir bei den zum Verkauf angebotenen Tüchern abgeguckt und dann eine Zeichnung angefertigt:
Folgendes Material habe ich verwendet:
2 m Wollfilz (80% Wolle, 20% Polyester)
50 cm Pilotennylon für die Taschen
4 m Reflektorpaspel (Reflexbiesenband)
2 m Fallschirmschnur mit 4mm Durchmesser
1,20 m Webborte, ca 4 cm breit
Mein fertiges Tuch ist etwa 23cm breit und ca 170cm lang plus 12cm Fransen. Die Länge richtet sich nach der Größe des Pferdes und der Beinlänge des Reiters. Das Tuch sollte etwas über den Füßen enden, damit man sich nicht darin verheddert. Dementsprechend habe ich aus dem Wollfilz zwei Stoffstreifen plus Beschnitt ausgeschnitten. Bei mir waren das 194 x 25cm.
Das Logo habe ich bei ABCD-Stickerei in Mühltal sticken lassen, da ich das mit meiner Nähmaschine nicht kann und das Stickbild von Hand einfach nicht so schön wird.
Aus dem Pilotennylon habe ich für die Taschen 4 Rechtecke von 38 x 22cm zugeschnitten. Und dann kam bei mir leider ein Denkfehler: natürlich muss man ERST in Wollfilz und Pilotennylon den Taschenschlitz schneiden und beides zusammen einfassen und DANACH das zweite Rechteck der Tasche annähen (anders als auf meiner Skizze notiert).
Jetzt die beiden Wollfilzstreifen an den langen Seiten rechts auf rechts zusammennähen und (falls gewünscht) die Reflektorpaspel und die Befestigungsbänder mit einnähen. Wer Lederriemen vorne am Sattel hat, kann sich die Bänder zum Festbinden natürlich sparen. Das Ganze wenden. Ich habe noch eine Naht an den lagen Seiten von rechts gesetzt, damit die Kante schön flach wird und die Reflektorpaspel nicht im Wollfilz verschwindet.
Zum Schluss habe ich noch die Borte an den beiden Enden aufgenäht und den Schal damit auch geschlossen. Beim Wollfilz kann man die Fransen einfach aus dem Stoff schneiden. Bei gewebter Baumwolle würde ich vermutlich die Querfäden raus fuddeln und aus den Längsfäden Fransen abbinden oder knoten.
Für meinen Mann habe ich dazu eine einfache schwarze Schabracke mit der gleichen Borte und ebenfalls einer Reflektorpaspel verziert. So sieht beides zusammen dann am Pferd aus:
Den ersten Proberitt hat mein Mann schon absolviert und ich freue mich darauf, das „Sommer-Campo-Tuch“ aus dem Baumwollstoff zu nähen 🙂
Manchmal kommt es vor, dass ich genau weiß, was ich möchte, es das aber nicht genau so zu kaufen gibt. Dann ist wieder einmal basteln angesagt. So geschehen bei meinen Zügeln.
Ich wollte geschlossene Zügel in einer bestimmten Länge und Breite aus Fettleder. Da wir im Gelände öfter mal klettern müssen, wollte ich ein System, mit dem man ein Zügelende schnell vom Trensenring lösen kann, ohne den Karabiner direkt am Trensenring zu haben. Die Zügelenden sollen schön griffig sein, ohne dass man sich daran weh tun kann. Das brauche ich zum Beispiel in unwegsamen Gelände, wenn ich ein Stück voraus gehe und Tammi anschließend nachhole. Den Zügel nutze ich dann als extralangen Führstrick, so habe ich Tammi sicher am Strick, ohne dass ich Gefahr laufe, zwischen ihre Hufe zu geraten, wenn sie rutscht, stolpert oder eine Steigung oder einen umgestürzten Baum mit einem beherzten Hüpfer bewältigt.
So sieht mein fertiger Fettlederzügel aus. Seit ein paar Wochen im Einsatz und wir sind sehr zufrieden damit. Nur die losen Enden an der Flechtung habe ich noch gekürzt und mit einer Buchschraube fixiert, da sie sich negativ auf die Zügelführung ausgewirkt haben.
Und weil sie so schön geworden sind, hat mein Mann auch Fettlederzügel bekommen:
Das Fettleder und die Buchschrauben habe ich in sehr schöner Qualität bei Petsam gekauft. Die Zaumkarabiner sind von LENNIE-Equipment. Hier gibt es eine gute Auswahl von verschiedenen Größen. Die Idee mit der Befestigung am Trensenring stammt von der Sattlerei Tradere. Ich habe ein Paar ganz wunderbare offene Seilzügel aus der Sattlerei Tradere, die mit diesem System befestigt werden.
Bevor ich überhaupt irgendwas bestellt habe, habe ich mir einige Videos von „Hundesachen selber machen“ angesehen, hier werden die verschiedenen Flechttechniken sehr schön erklärt. Danach habe ich Zeichnungen angefertigt, wie die fertigen Zügel aussehen sollen. Besonders bei geschlossenen Zügeln ist es sehr wichtig, sich vorher Gedanken darüber zu machen, was wo durchgezogen werden muss, damit man nicht in die Verlegenheit gerät, eine fertige Flechtung samt Karabiner durch einen kleinen Schlitz im Fettleder zwängen zu müssen.
Für die Zügel in Cognac habe ich 5m Fettleder und vier Buchschrauben mit 7mm und zwei mit 10mm Schaft benötigt. Die 10mm braucht man, wenn das Leder 3-lagig fixiert werden muss. Außerdem zwei D-Ringe und zwei Zaumkarabiner.
Für die schwarzen Zügel waren es 4m Fettleder, zwei Zaumkarabiner und 4 Buchschrauben mit 7mm Schaft. Es lohnt sich, gleich ein 10er Pack Buchschrauben zu kaufen, das Zügel-basteln macht leider süchtig 😉
Ich hatte vorab Fettleder-Farbmuster bestellt, diese und die Reste von meinem ersten Zügel habe ich genutzt, um das Flechten zu üben. Bei mir sind die Schlitze im Leder jeweils 2cm lang, der Abstand zwischen den Schlitzen beträgt je 1,5cm. Ganz wichtig für eine schöne Flechtung ist es, dass die Schlitze genau in der Mitte des Fettleders sitzen. Die Buchschrauben habe ich zum Schluss mit etwas farblosem Nagellack, den ich auf das Gewinde aufgetragen habe, fixiert. Das ist billiger als Schraubensicherung aus dem Baumarkt, mal schauen, ob es genauso gut hält.