Am Zügel ziehen

Bei Ausritten wechsel ich gerne zwischen führen (am Anfang, am Ende, bei scharkem Gefälle, wenn mir kalt wird,…) und reiten. Leider hat Tammi die Angewohnheit, ab und zu stehen zu bleiben. Lange Zeit habe ich an der Hand versucht, sie durch Ziehen am Zügel zum Weitergehen zu bewegen. Dabei ist immer das Kopfstück verrutscht und ich habe eine Weile über die passende Ausrüstung Nachgedacht, um dieses Problem zu beheben: ein Halfter unter die Trense? Benutze ich dann einen Extra Strick zum Führen? Oder schnalle ich jedes mal den Zügel um?

Es hat echt lange Gedauert, bis ich endlich auf die einzig richtige Idee gekommen bin: ich ziehe einfach nicht mehr am Zügel! Was soll ich sagen: es ist meiner Ansicht nach definitiv die beste Lösung. Ich benötige keine unnütze zusätzliche Ausrüstung, stattdessen diszipliniere ich mich selbst, mir diese dämliche Angewohnheit, am Pferd herum zu zerren, abzugewöhnen. Und tatsächlich schaffe ich es mit meinem inneren Energielevel, meiner Stimme und Körpersprache mein Pony zum Weitergehen zu bewegen. Vorher war ich einfach zu bequem, um diesen viel besseren Weg zu gehen.

Aktivpferdeweide

In meinen Notizen habe ich einen Entwurf von 2018 für diesen Beitrag gefunden und da er mir gefällt, kommt er, mit Verspätung und jahreszeitlich auch nicht passend, noch schnell auf meinen kleinen blog:

Auf dem Bild sieht man das Ergebnis unseres Aktivweidemorgens: Dirk und ich haben sehr aktiv Zäune gezogen und Eicheln gerecht. Dabei viele Kalorien verbraucht, uns ausgiebig bewegt und nix gefuttert 😉

Ursache dieses Spontaneinsatz war eine Kombination aus ungünstigen Umständen: ein sehr heißer Sommer mit sehr wenig Gras und ein sogenanntes „Eichelmastjahr“, in dem die Bäume besonders viele Eicheln produzieren. Eicheln sind nicht per se giftig für Pferde, wie so häufig macht auch hier die Dosis das Gift. D. h. ein paar sind nicht schlimm, große Mengen aber schädlich. Und wenn nur wenig Gras da ist, nimmt Pony gerne die reichlich vorhandenen Eicheln. So was kommt nicht oft vor, aber es kann passieren.

Die Artenvielfalt an und auf unseren Weiden, die es so schön hier macht und den Speiseplan unserer Pferde so abwechslungsreich, wurde in dieser Kombination zum Problem.

Leider führen solche Verkettungen ungünstiger Umstände oft zu ängstlichem Entfernen von allem, was schädlich sein könnte und in der Folge zu einem tristen Monokultur-Umfeld unserer Pferde. Das ist sehr schade, für den Artenreichtum, die Insekten- und Vogelwelt, das Klima, unsere Pferde und nicht zuletzt uns selbst. Ich zumindest schätze den Anblick unserer vielfältigen Weiden, den unterschiedlichen Baumbestand und das angenehme Mikroklima im Baumschatten sehr.

Hier also mein Aufruf an alle Reiter, Stallbetreiber und Menschen: mäht nicht alles weg, was mal irgendwie in Verruf geraten ist. Informiert euch sorgfältig (ich habe da leicht reden, ich muss ja bloß meinen Mann fragen), erhaltet Artenreichtum und wenn es sein muss, aktiviert lieber Freunde und Einsteller zum Spontaneinsatz, als gleich die ganze Eiche zu fällen…

Mittlerweile hatten wir mehrere trockene Jahre mit vielen Eicheln. Zwischenzeitlich konnte ich keine Eicheln mehr sehen, ich habe nachts davon geträumt. Trotzdem bin ich meiner Meinung von 2018 treu geblieben!
Zu schade zum Wegwerfen II – „Buff“

Zu schade zum Wegwerfen II – „Buff“

Im letzten Jahr habe ich das „Buff“ Halstuch schätzen gelernt. Das ist ein elastischer Stoffschlauch, den man als Halstuch, Mütze, Stirnband,… tragen kann. Es hält den Hals warm, ohne dass man Angst haben muss, dass sich das Pony beim Hufe Auskratzen mit dem Huf drin verheddert (bei voluminösen Schals und Loops durchaus ein Risiko). Man kann es beim Heu aufschütteln schnell mal als Staubschutz über Mund und Nase ziehen. Es ist sehr klein und leicht (Hauptkriterium für eigentlich alles, seit ich unbedingt Wanderreiten will).

Heute ist ein altes T-Shirt „Buff“ geworden. Es handelt sich um ein icebreaker 100% Merino T-Shirt, in einem sehr schönen dunklen Lila, das ich mal 2nd Hand gekauft und dann 7 Jahre begeistert getragen habe. Irgendwann waren Löcher drin, aber ich habe es nicht über’s Herz gebracht, den schönen Stoff wegzuwerfen – zum Glück.

Mit einem gut passendem „Buff“ Maß genommen und mit 5mm Nahtzugabe zugeschnitten.

Da mir Bequemlichkeit wichtiger ist als die Optik, habe ich eine flache Naht gesetzt, d.h. die beiden Stoffteile übereinander gelegt und mit einem breiten Stich genäht. Bei stark elastischen Stoffen kann es hilfreich sein, die obere Stofflage ungedehnt mit einem Tesastreifen zu bekleben. Dann wird der obere Stoff nicht vom Nähfuß in eine Dehnung geschoben. Möglichst nicht das Tesa mit einnähen, das bekommt man nur mir viel Gefuddel wieder raus.

Ich habe den Hexenstich gewählt (hier die 15), der allein schon wegen des Namens mein Liblingsstich ist.

So sieht die Naht dann aus. Dieser Stich ist in alle Richtungen dehnbar und der elastische Stoff wellt sich nicht.

Am kniffeligsten ist der Saum am oberen Ende. Unten hatte ich einfach den T-Shirt-Saum drin gelassen. Den Tesa-Streifen kann man problemlos mehrfach verwenden.

Fertig ist das neue Lieblingsteil 🙂

Zu schade zum Wegwerfen I – DIY-Stulpen aus Jackenärmeln

Zu schade zum Wegwerfen I – DIY-Stulpen aus Jackenärmeln

Ich gehöre zu den Menschen, die schnell frieren, und gerade am Knöchel habe ich es gerne warm. Darum sind Stulpen echt super, aber Strickstulpen im Stall sind einfach unpraktisch, weil Heu und Stroh und Matsch und Leinstreu drin hängen bleiben und sich erst im Auto oder der Wohnung wieder davon lösen.

Da hatte ich kürzlich eine alte Stalljacke in der Hand, die ich nicht mehr trage. Zum Wegwerfen fand ich sie aber zu schade, also habe kurzerhand die Ärmel abgeschnitten, oben umgeschlagen, zugenäht und ein Gummiband reingezogen.
Jetzt habe ich tolle, warme Stulpen aus gewachster Baumwolle, wattiert gefüttert und wenn ich Muße zum Nachwachsen habe sogar wasserdicht. Herrlich!