Longieren als Dialog

Aufwärmphase: meine Stute und ich schlendern gemütlich kreuz und quer über den Reitplatz.
Tamina (T, Pferd): Oh, da ist ein Äppelhaufenrest, darf ich dran schnuppern?
Stephanie (S, Longenführerin): Na klar, wenn es dir Spaß macht, dann schnuppere daran.
T: Oh, da ist noch einer!
S: Mach ruhig.
T: Noch einer!!
S: Hmpf…
T: Da auch!
S: Schön, aber vielleicht laufen wir mal ein bisschen…

S: Kannst du deinen Rahmen vergrößern/verkleinern?
T: ?!?
S: Wir laufen etwas schneller und langsamer im Wechsel und du hebst und senkst den Kopf ein bisschen.
T: Bekomme ich dafür Leckerlies?
S: Wenn du‘s richtig toll machst.
T: Schau, wie toll ich bin!!!
S: Das kannst du besser.
T: So?
S: Prima!
T: Ich kann auch nochmal!?!
S: Schön, war aber gerade nicht gefragt.
T: Und bei nicht gefragt gibt es kein Leckerli?
S: Nein.

Es geht in die Arbeitsphase, ich hole die Longierpeitsche, stelle zwei Hütchen auf und vergrößere den Abstand zum Pony.
T: Guck mal, da steht ein Hütchen!
S: Ich weiß, das habe ich da hingestellt.
T: Ich kann das umwerfen, mach voll Spaß!
S: Ich hatte mehr an hübsche Kringel um die Hütchen gedacht.
T: Gähn
S: Komm schon, das ist wirklich gut für deine Selbsthaltung.
T: Wenn du meinst. Gibt es Leckerlie?
S: Hmpf…

T: Da ist was auf dem Nachbargrundstück!
S: Ich sehe nichts.
T: Ich auch nicht, aber ich höre was!!
S: Vielleicht höre ich auch was, ganz leise.
T: Guck, da, da!!! Ein Mensch!!!
S: Stimmt, super gesehen, tolles Pony. Kannst du weitergeben?
T: Da ist wer!
S: Ja, aber man kann gucken UND laufen.
T: Echt?
S: Ja, geht, vertraue mir.
T: Ich probier‘s.
T: Da ist auch noch was im Wald!
S: Ein Spaziergänger, hab‘s gesehen. Könntest du bitte laufen? Du weißt doch, die Lunge, der Stoffwechsel,… Ist halt echt wichtig.
T: Na gut.

T: Ich muss mal.
S: Dann mach.
T: Kommt nix.
S: Dann lauf weiter.
T: Jetzt kommt‘s!
S: Dann mach.
T: War doch nur ein Pubs.
S: Dann lauf weiter.
T: Muss ich?
S: Ja, wie gesagt: Lunge, Stoffwechsel…
T: Na gut.
(Dieser Dialog wird 3-5 Mal wiederholt, dabei entstehen 1-3 Äppelhaufen und ungezählte Pubse)

S: Galopp!
T: Ich kann nicht!
S: Doch, kannst du!
T: Guck, es geht nicht, kommt nur Renntrab.
S: Soll ich mithopsen?
Mache kleine Galoppsprünge in der Mitte des Zirkels.
T: Jetzt geht’s.

S: Galopp!
T: Ich will nicht.
S: Du musst! Die Lunge, der Stoffwechsel…
T: Wenn du mich zwingst, dann schüttel ich vor lauter Ärger so doll mit dem Kopf, dass ich fast auf die Schnute fliege.
S: Mach halt, ist deine Schnute…

S: Tolles Pony!
T: Wenn ich toll bin, kannst du mich ja mal kurz am Bauch kratzen. Ich komm dann mal rein zu dir.
Kratze das Pony am Bauch.
S: So, jetzt aber weiterlaufen.
T: Laufen????
S: Ja, laufen.
T: Aber ich bin doch schon…
S: Raus!

Das waren nur die „lauten“ Dialoge, dazwischen findet noch haufenweise Mikrokommunikation statt.
Irgendwie bin ich froh, dass Pferde nicht sprechen können. Hat was von diskutieren mit einer dreijährigen 🤪

Missverstandener Freundschaftsdienst

Beobachtet man im Sommer Pferde auf einer Weide, so wird man häufig sehen, dass zwei Pferde zusammen stehen und dösen. Dabei hat jedes Pferd den Kopf auf Höhe der Hinterhand seines Partners und beide verscheuchen mit ihrem Schweif die Fliegen aus dem Gesicht des Anderen.

Beobachtet man im Sommer einen Menschen beim Putzen seines Pferdes, so wird man häufig sehen, wie der Mensch die Hinterhufe seines Pferdes auskratzt, dabei den Schweif seines Pferdes ins Gesicht geschlagen bekommt und anfängt, fürchterlich mit seinem Pferd zu schimpfen.

Sollte das Pferd jemals in seinem Leben darauf kommen, dass mit dem Schimpfen sein Schweif gemeint ist, so wird es sich (je nach Temprament) vermutlich denken: „Du Depp, wenn du nicht willst, dass ich dir die Fliegen verscheuche, dann halte doch dein Gesicht nicht an meinen Hintern!“ oder „Oh gottohgott, das wollte ich nicht, herrje, wenn ich das nur gewusst hätte, aber das ist so ein Reflex, ich kann nichts dagegen tun, wir können niemals zusammen glücklich werden…“

Ja, Schweif im Gesicht ist Scheiße, aber ob Schimpfen was bringt?